04/17 - Chuck Berry


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04/17 - Chuck Berry

Back to the roots

Die Beatles und die Rolling Stones werden gerne als Wegbereiter einer neuen Epoche in der Musikgeschichte bezeichnet. Ohne Zweifel inspirierten diese beiden Bands zahllose andere Musiker ihrer Zeit und legten damit das Fundament für den Rock und Pop der Gegenwart. Aber aus welcher Quelle schöpften diese Urväter unseres heutigen Sounds ihre Ideen? Wer ist das Bindeglied zwischen dem Country und Jazz der 1950er und dem frischen Beat von John, Paul, Mick & Co? Auf der Suche nach diesem „Missing Link“ kommt man an einem Namen nicht vorbei: Chuck Berry. Sicher hat Elvis Presley mit seinem sexy Hüftschwung ein Stück weit den Weg geebnet für alles, was da folgen sollte. Aber den weltweiten Siegeszug der jaulenden, rockigen E-Gitarre hat niemand so erfolgreich vorangetrieben wie Mister Chuck B. Werfen wir einen näheren Blick auf das bewegte Leben des schwarzen Ausnahmemusikers.

Die frühen Jahre

Chuck wird am 18. Oktober 1926 in St. Louis, Missouri, als Charles Edward Anderson Berry geboren. Er ist das vierte Kind von Henry und Martha Berry, einem Baptistenprediger und einer Lehrerin, zwei weitere Geschwister werden noch folgen. Die Berrys leben in einem der eher wohlhabenden Bezirke von St. Louis und das Einkommen der beiden berufstätigen Eltern sichert der Familie einen bescheidenen Wohlstand. Es ist also mehr als unwahrscheinlich, dass es Geldnot ist, die den 18-jährigen Chuck dazu treibt drei Geschäfte in Kansas City mit gezogener Waffe zu überfallen. Böse Zungen würden behaupten, dass sich hier ein altes Sprichwort bewahrheitet: „Lehrers Kinder, Pastors Vieh, gedeihen selten oder nie.“ Chuck, doppelt gefährdet als Kind von Pastor und Lehrerin, wird erwischt und zu drei Jahren Jugendgefängnis verurteilt.

Bereits auf der Highschool hatte Chuck begonnen sich für Musik zu interessieren und gründet mit drei anderen Häftlingen ein Gospelquartett. Nach einigen erfolgreichen Auftritten vor den Mithäftlingen dürfen die vier jungen Männer sogar außerhalb des Gefängnisses auftreten. Nach seiner Entlassung im Jahr 1947 arbeitet Chuck eine Zeit lang als Friseur und heiratet Themetta Suggs. Nachdem in rascher Folge zwei Kinder zur Welt kommen, macht Chuck eine Ausbildung zum Kosmetiker und kann von seinem Einkommen ein kleines Haus für die Familie kaufen. Das kleine Backsteingebäude mit drei Räumen und einem Bad wird heute als „Chuck-Berry-House“ im „Nationalregister historischer Orte“ geführt.

Der Ruf der Bühne

Im Jahr 1951 hängt Chuck die Arbeit als Kosmetiker an den Nagel und jobbt als Pförtner des Radiosenders WEW. Wann immer seine Arbeit es zulässt, verbringt er Zeit mit den Musikern, die zu Liveauftritten in den Sender kommen und kauft einem von ihnen eine E-Gitarre ab. Er nimmt Gitarrenunterricht bei einem Freund und beginnt die Bluesriffs und Bühnenshow seines Idols T-Bone Walker zu imitieren. Chuck ist mehr als talentiert und hat bereits 1952 seinen ersten Auftritt in einem Musikclub in St. Louis als Ersatzmann im Johnnie Johnson Trio. Der Gig ist ein voller Erfolg und an diesem Abend beginnt eine fast zwanzig Jahre währende Zusammenarbeit mit dem namensgebenden Pianisten und Komponisten Johnnie Johnson. Bereits zu dieser Zeit beginnt Chuck seinen ganz eigenen Stil zu entwickeln und Elemente des angesagten Country-Sounds in das blueslastige Programm des Trios einzuflechten. Der anfängliche Spott des vorwiegend schwarzen Publikums –„Wer ist denn dieser schwarze Hillbilly-Typ auf der Bühne?“ – verwandelt sich schnell in Begeisterung für den neuen und gut tanzbaren Sound. Chuck wird zum angesagten Geheimtipp in der Musiker-Metropole St. Louis.

Die Geburt des „Father of Rock 'n' Roll“

Gemeinsam mit einem alten Schulfreund fährt Chuck 1955 nach Chicago, um ein Konzert der drei Blueslegenden Howlin’ Wolf, Elmore James und Muddy Waters zu besuchen. Nach dem Konzert bittet er Muddy Waters um ein Autogramm und einen Tipp, an wen er sich als Musiker in Chicago wenden kann, um eigene Aufnahmen zu machen. Muddy Waters verweist ihn an das Independent-Plattenlabel „Chess Records“, ein Projekt der Gebrüder Chess, bei dem zahlreiche angesagte Bluesmusiker unter Vertrag stehen. Chuck nimmt ein Demoband seiner Songs auf und spielt sie einige Tage später Leonard Chess vor. Der ist schwer beeindruckt, aber zu Chucks Erstaunen weniger von den Bluesnummern, sondern viel mehr von seiner Interpretation des Country-Songs „Ida Red“. Sie vereinbaren eine Aufnahmesession und kurze Zeit später erscheint Chuck Berrys erste Single. Die alte Countrynummer unter dem neuen Titel „Maybellene“ schlägt ein wie eine Granate und schießt quasi über Nacht in die Top-Ten der Billboard Charts. Chess Records nimmt Chuck umgehend unter Vertrag und schickt ihn auf eine landesweite Tournee. Die Show kann beginnen!

Erster Auftritt der „Ente“

Bei einem Auftritt in New York zeigt Chuck Berry zum ersten Mal seinen legendären „Duckwalk“ auf der Bühne. Er hüpft auf einem angewinkelten Bein langsam über die Bühne und streckt dabei das andere Bein von sich. Währenddessen spielt er auf seiner nach vorn gestreckten Gitarre, deren Korpus er mit der Hüfte abstützt. Von der Seite ähnelt das dem watschelnden Gang einer Ente, ein Eindruck den Chuck noch durch ruckartige Bewegungen seines Kopfes unterstützt. Er selbst sagt später, er habe mit diesem Trick nur die Falten seines Anzugs verbergen wollen. Das Publikum tobt vor Begeisterung und Chuck nimmt den Duckwalk fest in sein Bühnenprogramm auf. Andere Musiker, darunter Angus Young, Gitarrist der australischen Hard-Rock-Band AC/DC, werden den Duckwalk noch Jahrzehnte später kopieren.

Konflikt mit dem Gesetz

Ende der 1950er Jahre hat Chuck Berry sich fest in der Musikerszene seiner Zeit etabliert. Etliche Hits, darunter Klassiker wie „Roll over Beethoven“ und „Johnny B. Goode“, haben ihn zum Superstar und reich gemacht. Er investiert in Immobilien und eröffnet einen der ersten Nachtclubs für Farbige und Weiße. Alles scheint mehr als gut zu laufen, doch dann gerät Chuck unter Verdacht eine 14-jährige über die Grenze des Bundesstaats geschmuggelt zu haben. Er wird wegen des Vergehens gegen den sogenannten „Mann Act“ angeklagt und nach mehreren Prozessen zunächst zu fünf, dann zu drei Jahren Haft verurteilt. Von der Strafe sitzt er in den Jahren 1962 und 1963 insgesamt 18 Monate ab.

Comeback und erneute Haftstrafe

Während Chuck Berrys Zeit im Gefängnis hatten Bands wie die Beatles und die Rolling Stones einige seiner Hits gecovert und ihm dadurch neue Fans beschert. Insbesondere John Lennon war von Chucks Musik begeistert und gab ihm den ehrenvollen Spitznamen „The Shakespeare of Rock & Roll“. Chuck nutzt die Gunst der Stunde und begibt sich auf mehrere ausgedehnte Tourneen. Dabei beweist er sich als harter Verhandlungspartner, der nicht von seinen Forderungen abweicht und die Auszahlung seiner Gage immer in bar verlangt. Doch genau dieses geschäftstüchtige Verhalten wird ihm zum Verhängnis: Die Steuerbehörde wirft ihm vor, auf diese Art und Weise Einkommenssteuern zu hinterziehen. Chuck bekennt sich schuldig und wird zu zehn Monaten Haft und 1.000 Sozialstunden verurteilt, die er mit einer Reihe von Benefizkonzerten ableistet.

Leben und Sterben als Legende

Bis ins hohe Alter bestreitet Chuck Berry unzählige Konzerte, tritt in Fernsehshows auf, veröffentlicht Platten und wird auf seinen weltweiten Tourneen als der Erfinder des Rock ‘n Roll gefeiert. Sein Gitarrenspiel prägt Generationen von Gitarristen und verhilft der E-Gitarre zu ihrer dominanten Bedeutung in der Rockmusik. Neben vielen internationalen Auszeichnungen wird er 2008 in Deutschland mit der Goldenen Kamera für sein Lebenswerk geehrt. Noch 2016 kündigt er an seinem 90ten Geburtstag ein neues Album an: Es soll „Chuck“ heißen und seiner Ehefrau Themetta „Toddy“ gewidmet sein. Die beiden sind zu diesem Zeitpunkt seit 68 Jahren verheiratet. Doch das Album wird nicht mehr erscheinen. Chuck Berry wird am 18. März 2017 in St. Charles County im US-Bundesstaat Missouri tot in seiner Wohnung aufgefunden.

„Rock's so good to me. Rock is my child and my grandfather.“

Chuck Berry

Copyright Foto: © H. Michael Karshis - Flickr.com

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