05/17 - Matt Groening


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05/17 - Matt Groening

Ein Mann sieht gelb

Springfield. Eine Stadt im amerikanischen Nirgendwo. Sieht man einmal vom örtlichen Kernkraftwerk ab, repräsentiert Springfield den durchschnittlichen American Way of Life so überzeugend, als wäre es auf dem Reißbrett entstanden. In Moe’s Spelunke treffen sich die Männer nach einem harten Arbeitstag im Kraftwerk auf ein Feierabendbier. Die Kinder gehen zur Highschool, Frauen backen Apfelkuchen für den Kirchenbasar und Hunde jagen Katzen. Alles ganz normal. Wirklich alles? Nein, denn in der Evergreen Terrace 742 wohnen die Simpsons. Ihre Hautfarbe erinnert an Dosenmais und sie haben nur vier Finger an jeder Hand. Homer und Marge Simpson, ihre Kinder Bart, Lisa und Maggie sowie der Haushund Knecht Ruprecht sind die Hauptdarsteller in der erfolgreichsten US-Zeichentrickserie aller Zeiten: Sie sind „DIE SIMPSONS“. Seit der Erstausstrahlung 1987 bringen es die Simpsons auf über 600 Episoden in 28 Staffeln. Nach den bereits geplanten Staffeln 29 und 30 soll Schluss sein, wird gemunkelt. Aber bei den Simpsons weiß man nie so genau. Der Erfinder dieser schrecklich gelben Familie ist Matt Groening und im Gegensatz zu den Simpsons ist über ihn und sein Privatleben nur sehr wenig bekannt. Bis jetzt zumindest, denn im Folgenden werfen wir gemeinsam einen Blick auf den geistigen Vater der Simpsons.

Der Start

Matthew „Matt“ Groening wird am 15. Februar 1954 in Portland, Oregon geboren. Seine Eltern sind (Achtung, jetzt wird’s interessant!) Homer und Marge Groening, die bereits zwei gemeinsame Töchter namens Lisa und Maggie haben. Das kommt uns irgendwie bekannt vor und wird später noch eine wichtige Rolle spielen. Matts frühe Kindheit ist ein komplett weißer Fleck auf der Landkarte seines Lebens. Selbst in einer 2016 erschienenen Biographie über ihn wird dieses Kapitel völlig ausgeklammert. Wir steigen also in seinem zwölften Lebensjahr ein. Zu dieser Zeit gibt sich Matt Tagträumen hin, in denen er sich als aufsteigender Stern am amerikanischen Entertainer-Himmel sieht. Doch es bleibt nicht bei den Phantastereien: Er schreibt vorsorglich schon mal den Eröffnungssong für seine geplante Matt Groening-Show, der mit folgenden Zeilen beginnt:

„First you hear a mighty cheer, then you know that Groening's here! Matt Groening, Matt Groening, Matt Groening, kein Feigling, Matt Groening mit Superkräften, coolster Typ in der Stadt, coolster Typ überhaupt.“

Wie sich an dem Text unschwer erkennen lässt, verfügt der zwölfjährige Matt bereits über ein wohlproportioniertes Selbstbewusstsein. Dummerweise begeht er den Fehler, seinen Mitschülern den Song vorzusingen und wird danach zur Zielscheibe von Spott, Häme und Getuschel. Fortan besinnt er sich auf seine wahren Qualitäten und zeichnet. Ständig und überall, aber am allerliebsten während der Schulstunden, deren Inhalt ihn nicht wirklich interessiert. Matts Vater Homer ist ein bekannter und erfolgreicher Cartoonist und scheint seinem Sohn das Talent vererbt zu haben. Nachdem Matt diverse Male wegen seiner im Unterricht gezeichneten Comics zum Direktor zitiert wird, gründet er mit ein paar Freunden den geheimen „Creature Club“. Die Mitglieder des Clubs treffen sich in einem verlassenen Haus und zeichnen erst Monster, dann Monster und schließlich Monster. Dieses etwas monsterlastige Zeichentraining wird sich später noch für ihn auszahlen.

Der Aufbruch

Im Jahr 1977 zieht Matt nach Los Angeles. Warum? Nun, ganz klar: Dort lebt sein Jugendidol Frank Zappa und Matt denkt: „Wenn L.A. gut genug für ihn war, dann sollte ich es wenigstens ausprobieren.“ Er kommt mit wenig dort an: In der Tasche ein Philosophie- Diplom und im Kopf den festen Wunsch Autor zu werden. Zu seinem spärlichen weltlichen Besitz zählt noch ein limettengrüner Datsun, der allerdings ständig liegenbleibt. Als seinem altersschwachen Gefährt mitten auf dem Sunset Boulevard die Puste ausgeht und Luxuskarossen hupend an ihm vorbeirauschen, muss Matt sich eingestehen, dass sein Leben nicht gerade auf der Überholspur verläuft. Seine Kurzzeitfreundin hat ihn verlassen und er hat Schwierigkeiten die Miete für sein Appartement zu bezahlen. Ein Job muss her, und zwar dringend.

Die Jobs

Seine erste Stelle bei der „Los Angeles Free Press“ tritt er gar nicht erst an. Am ersten Tag trifft er im Verlagsgebäude auf eine weinende Empfangsdame die ihm rät „…für diese Bastarde nicht zu arbeiten.“ Matt nimmt sie beim Wort und geht. Auf der Suche nach einem anderen Job stößt er auf eine vielversprechende Kleinanzeige, in der ein Chauffeur und Autor gesucht wird. Das Angebot scheint genau seine Kragenweite zu sein. Allerdings entpuppt sich sein neuer Arbeitgeber als ein 88-jähriger Ex-Regisseur von B-Western, dessen Lebenswerk bereits in der völligen Bedeutungslosigkeit versunken ist. Trotzdem möchte er sich in einer monumentalen Biographie gewürdigt wissen. Bereits der Entwurf umfasst mehr als 1.000 Seiten. Es geht darin fast nur um die Mutter des Regisseurs, bei der er sein ganzes Leben lang gewohnt hat, bis sie mit 102 Jahren verstorben ist. Ein typischer Satz aus dieser Biographie lautet: „Und an diesem Tag traf ich Cecil B. DeMille. Ich rannte sofort nach Hause, um es Mama zu sagen. Mama, sagte ich, heute habe ich Cecil B. DeMille getroffen!“ Matt erfährt, dass es vor ihm bereits eine ganze Reihe von Chauffeur-Autoren gegeben hat und genau wie sie, wird er nach einigen Monaten wieder gefeuert. Danach versucht er sich als Texter für die Kinoplakate von Horrorfilmen (First they want to meet you, then they want to eat you!) und bekommt sogar eine Komparsenrolle in einem der Splatterfilme. Allerdings macht er als Mitglied eines Lynchmobs in einem schlecht sitzenden Anzug keine besonders gute Figur. Matt beginnt Los Angeles wirklich zu hassen.

Der Hase

Es ist genau dieser in ihm aufkeimende Hass auf den Moloch Los Angeles, der ihm die Idee zur Comicserie „Life in Hell“ beschert. Die Hauptfigur des Comics ist der Hase Binky. Ein depressiver, therapiebedürftiger und über das Leben philosophierender Zeitgenosse und natürlich auch ein Spiegelbild seiner selbst. Die Entscheidung für einen Hasen begründet sich aus seinen Erfahrungen im „Creature Club“ seiner Kindheit: Schon damals hielten die anderen Kinder seine gezeichneten Eulen für winzige Bären und seine Bären für Hunde. Binky mit seinen zwei langen Ohren ist hingegen zweifelsfrei als Hase erkennbar. Matt schickt die Comics an seine alten Freunde in Portland und findet in ihnen reißende Abnehmer seiner LA-Geschichten. Die Begeisterung für „Life in Hell“ in seiner alten Heimat ermutigt Matt ein paar selbstkopierte Hefte für zwei Dollar das Stück in der Punk-Ecke eines Plattenladens auf dem Sunset Stripp auszulegen. Bereits von der sechsten Auflage verkauft er mehr als 500 Exemplare. Ein Durchbruch und der Beginn einer echten Erfolgsstory. Schon bald erscheint der erste Life in Hell-Strip in einem Magazin und Matt bekommt eine Anstellung bei der Wochenzeitschrift „Los Angeles Reader“. Dort schreibt er Musik-Kolumnen und neben der Arbeit zeichnet er unzählige Episoden mit Binky dem Hasen. Im Jahr 1984 wird Life in Hell von 250 verschiedenen Zeitungen landesweit abgedruckt. Ein grandioser Erfolg, doch gleichzeitig geraten seine exzentrischen Plattenbesprechungen zunehmend in die Kritik der Verantwortlichen beim Los Angeles Reader. Schließlich wird er 1986 gefeuert, aber die Honorare für seine Comics lassen ihn weich fallen.

Die Geburt

Bereits 1985 war der Filmproduzent James L. Brooks auf Matt aufmerksam geworden. Er möchte dass Groening etwas für die Tracey Ullman Show zeichnet und lädt ihn zu einem Vorstellungsgespräch ein. Matt erscheint etwas zu früh zum vereinbarten Termin und erfährt voller Schrecken, dass er etwas Neues, Originelles hätte vorbereiten sollen. Kurzentschlossen greift er zu seinem Skizzenblock und kritzelt drauflos. Innerhalb einer Viertelstunde entsteht die komplette Familie Simpson samt Hund Knecht Ruprecht und Grandpa Abe. Nur bei den Namen verlässt ihn die Inspiration und so greift er auf seine eigene Familie zurück: Vater Homer, Mutter Marge, die Schwestern Maggie und Lisa. Nur seinen eigenen Namen verwendet er nicht. Er nennt den Sohn der Simpsons Bart, ein Anagramm des englischen Begriffs „Brat“, der übersetzt etwa so viel wie „Gör“ oder „Balg“ bedeutet. Und das Vorstellungsgespräch? Das lief, um es mit Bart zu sagen „Ay, caramba“. Der Rest ist Geschichte und wir können uns entspannt zurücklehnen und auf Staffel 29 und 30 der Simpsons warten. Das Leben kann so gelb sein…

„Morgen ist der Tag nach dem ersten Tag vom Rest deines Lebens.“

Matt Groening Copyright Foto: © Gage Skidmore - Flickr.com

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