07/17 - Leonardo da Vinci


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07/17 - Leonardo da Vinci

Fachidioten versus Universalgenie

Unsere hochtechnisierte und in vielen Bereichen digitalisierte Welt ist ein guter Nährboden für Spezialisten aller Art. Wer sich in seinem Fachgebiet gut auskennt erfährt Anerkennung, selbst wenn er in anderen Bereichen eine komplette Niete ist. Ein IT-Spezialist muss nicht wissen, ob die Tomate nun ein Obst oder ein Gemüse ist. Genauso wenig muss ein Klimaforscher die Computerprogramme für seine Prognosemodelle selbst schreiben können. Um es mal salopp auszudrücken: Die Zukunft gehört den Fachidioten. Eigentlich logisch, da das Weltwissen in den letzten Jahrhunderten dermaßen angewachsen ist, dass ein Einzelner unmöglich in allen Wissensbereichen bewandert sein kann.

Vor 565 Jahren sah das noch ganz anders aus: Sämtliche Naturwissenschaften steckten noch in den Kinderschuhen und viele bedeutende Erfindungen waren noch nicht gemacht. Unser Planet war zwar genauso groß wie heute, aber trotzdem war die Welt eng: Reisen waren lang und beschwerlich und die Kommunikation unter den Menschen beschränkte sich auf einen kleinen Radius. In diese zeitgeschichtliche Epoche wurde ein Mann hineingeboren, der bis heute als das Universalgenie schlechthin gilt: Leonardo da Vinci. Bildhauer, Architekt, Erfinder, Ingenieur, Anatom, Maler, Philosoph und Mechaniker. Kein Bereich der damaligen Wissenschaften und Künste, dem er nicht seinen Stempel aufgedrückt hätte. Seine visionären Erfindungen finden ihre Entsprechung in vielen technischen Errungenschaften der Neuzeit. Und ganz nebenbei hat er noch das geheimnisvollste Lächeln aller Zeiten im Porträt der Mona Lisa verewigt. Grund genug, einen näheren Blick auf das Leben dieses Jahrtausendmenschen zu werfen.

Leonardos Kindheit

Am 15. April 1452 kommt Leonardo in dem kleinen, befestigten Hügeldorf Vinci zur Welt. Der Name der kastellartigen Anlage, etwa 30 Kilometer von Florenz entfernt, wird zu Leonardos Herkunftsnamen: Das italienische da Vinci bedeutet auf Deutsch so viel wie „aus Vinci“. Leonardo ist das ungeplante Resultat einer kurzen Affäre seines unverheirateten Vaters mit einem Bauernmädchen. Andere Quellen bezeichnen Leonardos Mutter als eine getaufte ägyptische Sklavin, allerdings ist diese Theorie unter Historikern schwer umstritten.

Trotz der ungewollten Vaterschaft nimmt der angesehene 25-jährige Notar Piero da Vinci den Jungen als seinen leiblichen Sohn an. Piero da Vinci genießt dank seines Berufsstands hohes Ansehen in Künstler- und Intellektuellenkreisen und legt großen Wert auf eine solide Bildung seines unehelichen Sohns. Leonardo wird im Haus des Vaters bereits früh in Lesen, Schreiben und der Mathematik unterrichtet. Besonders auffällig ist jedoch seine künstlerische Begabung, die vom Vater früh erkannt und gefördert wird. Als Piero da Vinci dem befreundeten Maler Andrea del Verrocchio voller Stolz die Zeichnungen seines Sohnes präsentiert, erkennt auch dieser sofort das große Talent des Jungen. Er beschließt gemeinsam mit dem Vater, den jungen Leonardo in seiner Werkstatt aufzunehmen.

Die Lehrjahre

Ab dem Jahr 1470 lebt Leonardo in Florenz und erhält von Andrea del Verrocchio Unterricht in der Malerei und Bildhauerei. Der Maler genießt hohes Ansehen in der Florentiner Gesellschaft und steht in dem Ruf, nicht nur ein guter Künstler, sondern auch ein begnadeter Handwerker zu sein. Leonardo erlernt neben dem Umgang mit Pinsel, Farbe, Hammer und Meißel auch die Verarbeitung von Holz, Leder und Metall. Selbst das Knüpfen von Wandteppichen steht auf seinem umfangreichen Lehrplan. Insgesamt sieben Jahre dauert Leonardos Ausbildung. Während dieser Zeit entsteht seine erste, eindeutig ihm zugeordnete Arbeit: Eine Landschaftszeichnung des Arno-Tals aus dem Jahr 1473. Während des 15. und 16. Jahrhunderts war es in den Künstlerwerkstätten üblich, dass der Meister bestimmte Teile seiner Werke von Gesellen und Schülern ausführen ließ. Auf einem Gemälde der Taufe Christi, einer Auftragsarbeit des Klosters Vallombrosa, übernimmt Leonardo die Ausarbeitung einer Reihe kniender Engel. Das Gemälde hängt heute in der Sammlung der Uffizien von Florenz und insbesondere die Perfektion und Schönheit der von Leonardo eingefügten Engel werden von Experten gerühmt. Bereits während seiner Lehrjahre wird Leonardo von der Florentiner Malergilde aufgenommen und beginnt als selbstständiger Künstler zu arbeiten.

Die lombardische Schaffensperiode

Von 1482 bis 1499 arbeitet Leonardo da Vinci in Mailand am Hofe des Herzogs Ludovico Sforza als Maler und Architekt. Neben der Malerei, die Leonardo zeitlebens als Königin aller Wissenschaften bezeichnet, widmet er sich intensiv seinen naturwissenschaftlichen, physikalischen und architektonischen Studien. Er bildet sich in den Mailänder Bibliotheken fort, ohne sich dabei auf eine Fachrichtung einengen zu lassen. Während dieser Zeit entstehen zahlreiche seiner Meisterwerke, darunter die „Felsengrottenmadonna“ und das „Abendmahl“. Zahllose technische Entwürfe, Zeichnungen und schriftliche Notizen zeugen von seinem geradezu besessenen Forscherdrang.

Wanderjahre und weitere Studien

Nachdem sein fürstlicher Mäzen um 1500 gestürzt wird, muss Leonardo über Nacht die Stadt verlassen. Es folgen 16 Nomadenjahre, in deren Verlauf es ihn über Mantua und Venedig zurück nach Florenz verschlägt. Dort entsteht sein wohl berühmtestes Gemälde „La Gioconda“, ein Porträt der Gattin des Bankiers Giocondo. Ihr Name: Mona Lisa. Ab 1503 nimmt Leonardo erstmals eigene Schüler auf. Er vertieft sein Wissen über den menschlichen Körper durch anatomische Studien an über 30 Leichen, die er gemeinsam mit kooperierenden Ärzten seziert. Auf die Frage nach dem Sinn dieser Arbeit antwortet er, dass ihm die Studien helfen, den menschlichen Körper in der Malerei besser wiedergeben zu können. Mehrere ausgedehnte Reisen führen ihn und seine Schüler bis nach Rom, Parma und Frankreich. Von 1513 bis 1516 steht Leonardo im Dienst von Giuliano de’ Medici, einem Bruder des damaligen Papstes Leo X. Während dieser drei Jahre betreibt er in erster Linie geometrische und geologische Forschungen und erschafft einige der bedeutendsten Werke der europäischen Malerei.

Letzte Lebensjahre

Auf Einladung des französischen Königs Franz I. übersiedelt Leonardo da Vinci im Jahr 1516 nach Amboise an der Loire. Ihm steht dort das kleine Landschloss Clos Lucé zur Verfügung, in dem er sich vorrangig technischen und architektonischen Entwürfen widmet. Darüber hinaus plant und überwacht er die hydrologischen Arbeiten für einen Kanal zwischen dem königlichen Anwesen und dem angrenzenden Flusssystem. Aber auch der gesellschaftliche Anschluss kommt nicht zu kurz: Leonardo ist für die Organisation der höfischen Feste von Franz I. in Amboise zuständig. Auf einem dieser Anlässe präsentiert er zum großen Erstaunen der Gäste einen mechanischen Löwen, der sich selbsttätig einige Schritte weit bewegen kann.

Auch in seinen letzten Lebenswochen ist Leonardo von einem ungebrochenen Schaffensdrang beseelt. Er fühlt den Tod nahen und hat Visionen vom Ende der Menschheit, die er in einer Reihe von Wasserstudien der Sintflut in seinem Skizzenbuch festhält. Dazu notiert er:

„Die Luft wird dünner und ohne Feuchtigkeit sein, die Flüsse werden ohne Wasserzufuhr bleiben, das Erdreich nichts mehr wachsen lassen. Die Tiere werden verhungern. Auch den Menschen wird nichts übrig bleiben, als zu sterben. Die einst fruchtbare Erde wird wüst und leer.“

Leonardo da Vinci stirbt am 2. Mai 1519 in seinem Landschloss. Nach nicht belegten Quellen soll er dabei in den Armen des Königs gelegen haben. Leonardo wird im Kloster von St. Florentin beigesetzt, wo bei Restaurierungsarbeiten zu Beginn des 19. Jahrhunderts seine Gebeine für immer verloren gehen.

„Das Flusswasser, das du berührst, ist das letzte von dem, was weggeflossen ist, und das erste von dem, das heranfließt. So ist die Gegenwart.“

Leonardo da Vinci

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