07/15 - Johnny Cash


Kategorien : Alpha des Monats

07/15 - Johnny Cash
"Hello, I´m Johnny Cash."

Die Worte des schwarz gekleideten Mannes gehen im frenetischen Jubel des Publikums unter. Als er auf seiner Gitarre die ersten Akkorde von "Wanted Man" spielt, wird es still in dem schäbigen Saal. Auf hunderten von billigen Plastikstühlen sitzen ausschließlich Männer und sie alle wissen, was es heißt, ein "Wanted Man" zu sein. Es ist der 24. Februar 1969 und Johnny Cash gibt sein viertes Konzert vor den Strafgefangenen des California State Prison, San Quentin. Nach dem Konzert sagt er im Interview mit Ralph J. Gleason, einem Mitbegründer des Rolling-Stone-Magazins, "Strafgefangene sind das beste Publikum der Welt".

Johnny Cash ist zu diesem Zeitpunkt auf dem Zenit seiner Karriere. Zusammen mit seiner zweiten Ehefrau June Carter füllt er die größten Hallen Amerikas. Doch erst seine Gefängniskonzerte in San Quentin und Folsom Prison machen aus dem Star eine Legende. Blicken wir zurück auf das Leben des "Man in Black".

Die frühen Jahre

Johnny Cash wird am 26. Februar 1932 in Kingsland im amerikanischen Bundesstaat Arkansas geboren. Sein Taufname ist J. R. Cash – die Initialen sind ein Kompromiss zwischen dem von der Mutter gewünschten "John" und dem vom Vater stammenden "Ray". Die Eltern sind einfache Farmersleute. Es gelingt ihnen mehr schlecht als recht J. R. und seine sechs Geschwister über die Runden zu bringen. Trotz der ärmlichen Verhältnisse schaffen es die Eltern, J. R. zum zehnten Geburtstag eine Gitarre zu schenken. Der Grundstein seines späteren Lebens ist gelegt. Bei der Abschlussfeier seiner High-School steht J. R. zum ersten Mal vor Publikum auf der Bühne.

Aus J. R. wird John R. Cash

Kurz darauf, J. R. ist gerade 18, wird er zum Militärdienst einberufen. Da die Armee keine Initialen als Namen akzeptiert, ändert er J. R. Cash in John R. Cash um. Als Mitglied der Air-Force verschlägt es ihn 1951 nach Deutschland, wo er in Landsberg am Lech bei einer amerikanischen Abhöreinheit stationiert ist. Von seinem Sold kauft er sich eine neue Gitarre und gründet seine erste Band. In Anlehnung an die Armee-Zeitung Landsberg Bavarian nennen sie sich "Landsberg Barbarians".

Erste musikalische Erfolge

Nach der Entlassung aus der Armee geht John 1954 nach Memphis, Tennessee. Er heiratet Vivian Liberto, die er bereits 1951 kennengelernt hat und schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch. Neben der Arbeit spielt er mit seiner Begleitband, den "Tennessee Two", in den Clubs von Memphis. Da sie keinen Schlagzeuger haben, klemmt sich der Rhythmus-Gitarrist Luther Perkins ein Blatt Papier hinter die Saiten seiner Gitarre. Das dabei entstehende perkussive Schnarrgeräusch wird als "Boom-Chicka-Boom"-Sound bekannt und schnell zum Markenzeichen der Tennessee Two.

Mit den neuen Begleitmusikern verändert sich auch John Cashs Musikstil. Durch die Abkehr von Gospel und biblischen Texten bekommt seine Musik eine neue Qualität: Der Mix aus Country und Rock ist kommerziell vielversprechend. Das erkennt auch Sam Phillips von der Plattenfirma Sun Records. Er macht aus John Johnny und produziert mit ihm und seinen (mittlerweile auf Tennessee Three angewachsenen) Begleitmusikern die ersten beiden Songs "Cry, Cry, Cry" und "Hey Porter". Die Hörer lieben den frischen Sound und kurz darauf wird die erste LP mit dem Titel "Johnny Cash with his old and blue Guitar" veröffentlicht. Endlich hat Johnny wirklich einen Fuß in der Tür des Musikbusiness!

Der Aufstieg

Bereits 1958 kommt es zu Meinungsverschiedenheiten mit Sun Records. Cash wechselt zu Columbia Records – eine glückliche Verbindung, die bis zum Jahr 1987 Bestand haben wird. Sein Bekanntheitsgrad wächst unaufhörlich. Er tourt mit den größten Stars seiner Zeit: Elvis Presley, Jerry Lee Lewis und der von ihm verehrten June Carter. Als Tochter der Country-Legende Maybelle Carter, die mit der "Carter Family" bereits in den 1930er und 40er Jahren große Erfolge feierte, hat sie sich mittlerweile selbst einen Namen gemacht. Ab 1961 begleitet sie Johnny Cash als Musikerin auf seinen Touren. Da beide noch verheiratet sind, halten sie offiziell den Status einer beruflichen Beziehung aufrecht. Inoffiziell ist jedoch allen klar, dass die beiden ein Liebespaar sind.

Die zwei Gesichter des Ruhms

Der kometenhafte Aufstieg beschert Johnny Cash neben dem unglaublichen Erfolg auch eine ausgewachsene Drogensucht. Die Strapazen von 300 Live-Auftritten im Jahr versucht er durch immer größere Mengen Aufputschmittel und Alkohol zu kompensieren. Ein fataler Teufelskreis beginnt und wird durch den hinzukommenden Missbrauch von Beruhigungsmitteln endgültig geschlossen. Speed und Alkohol vor den Konzerten, die Downer zum Abschalten hinterher.

Nach mehreren Anklagen wegen Autofahrens unter Alkoholeinfluss gipfeln die Ereignisse 1965 schließlich in einer Gerichtsverhandlung wegen Drogenschmuggels. Cash hatte versucht mehr als 1.000 Amphetamin-Tabletten in seinem Gitarrenkoffer über die mexikanische Grenze nach Amerika zu schmuggeln.

Auf dem Höhepunkt seiner Tabletten- und Alkoholabhängigkeit lässt sich Vivian 1967 von ihm scheiden. Es folgen Gewaltausbrüche auf der Bühne und Konzerte müssen abgesagt werden. Cash teilt sich in einer unglückseligen Gemeinschaft ein Appartement mit dem ebenfalls drogensüchtigen Country-Sänger Waylon Jennings. Bei einer Größe von 1,87 Meter magert Johnny auf 70 Kilogramm ab.

Anfang Oktober 1967 zieht sich Cash nach mehreren Tagen ohne Schlaf und Essen in die Nickajack-Höhle bei Chattanooga zurück: Er will sterben. Nachdem er eine Zeit dort gelegen hat wird ihm klar, dass er seinen Todeszeitpunkt nicht selbst bestimmen kann. In seiner Autobiografie schreibt er später über diese Erlebnis: "Ich würde sterben, wenn Gott die Zeit für gekommen hielt, und nicht, wenn ich es wollte."

Was nun folgt, kann im Detail nur jemand nachempfinden, der selbst eine Drogensucht bekämpft hat. Von Medizinern wird die Härte eines Tablettenentzugs mit dem Entzug von Heroin gleichgesetzt. Doch Johnny Cash ist nicht alleine. Während der schweren Zeit des Entzugs leisten ihm June Carter und ihre Familie Beistand und schirmen ihn von all seinen Drogenkontakten ab. Bereits am 11. November 1967 steht er wieder auf der Bühne. Es ist nach über zehn Jahren im Dauerrausch sein erstes Konzert in nüchternem Zustand.

Neue Wege und der Mann in Schwarz

Johnny weiß, was er June zu verdanken hat. Sein Song "(Because you´re mine) I walk the Line" ist das gesungene Versprechen an June wegen ihr die "gerade Linie" im Leben zu gehen. Seine Drogensucht hat June lange davor zurückschrecken lassen ihn zu heiraten, doch jetzt scheint alles anders. Johnny macht ihr am 22. Februar 1968 während eines gemeinsamen Konzerts auf der Bühne einen Heiratsantrag und June nimmt an.

Nach seinen legendären Gefängnisauftritten, die teilweise live im Fernsehen übertragen werden, ist Johnny Cash auch international ein Star. Anfang der 1970er Jahre beginnt er sich nur noch in Schwarz zu kleiden und stilisiert seinen Mythos des "Man in Black". Für ihn ist sein neuer Kleidungsstil, der in auffallendem Kontrast zu den meist kitschig-farbenfrohen Hemden der anderen Countrysänger steht, ein stummer Protest gegen die Diskriminierung von Amerikas Minderheiten.

Es folgt ein Jahrzehnt in dem Johnny Cash ebenso zahl- wie erfolgreiche Alben aufnimmt und in verschiedenen Filmen als Schauspieler auftritt. Ende der 1980er Jahre beginnt sein Stern zu sinken. Die Countrymusik-Szene orientiert sich immer stärker an rein kommerziellen Projekten und Cash verweigert sich dem Mainstream. 1992 wird er in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Noch immer gilt er vielen jungen Musikern als Idol, obwohl die Veröffentlichung seines letzten bedeutenden Albums schon Jahre zurückliegt.

Das Comeback mit American Recordings

Es ist dem Produzenten Rick Rubin zu verdanken, dass Johnny Cash noch einmal ins Rampenlicht gelangt. 1994 beginnen die beiden auf Rubins Drängen mit neuen Songs in wechselnder Besetzung zu experimentieren. Sie entscheiden sich nach vielen Probeaufnahmen mit verschiedenen Gastmusikern ein sehr minimalistisches Album aufzunehmen: Nur Johnny Cash und seine Akustikgitarre. Es entsteht eine Mischung aus eindringlichen Songs, in denen Cash noch einmal seinen unverwechselbaren Bariton erklingen lässt. Sie nennen das Album American Recordings und es schlägt in der Country-Szene ein wie eine Bombe. Bis 2002 folgen drei weitere erfolgreiche American-Alben in Zusammenarbeit mit Rick Rubin. Die Veröffentlichung von American V im Jahr 2006 erlebt Johnny Cash nicht mehr.

Krankheit und Tod

Bei einem Auftritt im Jahr 1997 wird Cash beinahe auf der Bühne ohnmächtig, als er sich bückt, um ein heruntergefallenes Plektrum aufzuheben. Bei der anschließenden Untersuchung äußern die Ärzte den Verdacht, dass Cash an Parkinson erkrankt sei. Diese Fehldiagnose wird später durch die ebenfalls falsche Aussage (fehl)korrigiert, er leide an dem sogenannten Shy-Drager-Syndrom. Letztendlich kommen die Mediziner zu dem Ergebnis, dass Cashs Diabetes Ursache für eine autonome Neuropathie sei.

Cash kämpft gegen die Krankheit und teilt der Presse mit, dass er beschlossen habe, den Namen der Krankheit zu vergessen. Leider hat die Krankheit ihn nicht vergessen. Am 15. Mai 2003 stirbt June Carter an den Folgen einer Herzklappenoperation. Johnny sitzt zu diesem Zeitpunkt bereits im Rollstuhl. Nach 35 Jahren Ehe mit June ist er wieder allein. Trotzdem sagt er bereits zehn Tage nach Junes Beerdigung: "Ich möchte Musik machen und arbeiten, so gut ich kann. Sie würde das wollen, und ich will es auch." Er überlebt noch den Sommer. Am 12. September 2003 stirbt Johnny Cash mit 71 Jahren im Krankenhaus an Lungenversagen. Er wird neben June Carter in der Nähe seines Wohnhauses in Tennessee bestattet.

"Es gibt kein Grab, das mich in der Erde halten kann." [Johnny Cash in Aint No Grave]

Empfohlene Produkte

Teilen

Sie müssen sich registrieren

Zum Registrieren, hier klicken

Kommentar hinzufügen

Blog Kategorien

Alpha des Monats
Zu allen Zeiten gab es Männer, deren besondere Leistungen sie aus der breiten Masse hervorstechen [...]

Alphanews

Das psychologische Alpha(bet) des Mannes.
In dieser neuen Rubrik werden wir in alphabetische Reihenfolge typisch männliche Attribute unter die Lupe [...]

Kunden Wollen Wissen
In der „Kunden Wollen Wissen“ Kategorie gehen wir ausführlich auf die Fragen unserer Kunden ein. [...]

Neuigkeiten
Wann immer wir etwas Spannendes über A.P. Donovan zu berichten haben, erfahren Sie es in dieser Kategorie. [...]