09/17 - Paulo Coelho


Kategorien : Alpha des Monats

09/17 - Paulo Coelho

Spur der Zeichen

Das Deuten von Symbolen und Zeichen ist seit jeher fester Bestandteil der menschlichen Kulturgeschichte. Ob beim Orakel von Delphi, dem Werfen von Runensteinen oder dem Studium des Kaffeesatzes: Der Mensch versuchte schon immer in verschiedenen Dingen ein Zeichen oder einen Hinweis auf sein ganz persönliches Schicksal zu erkennen. Selbst aus den Innereien von geschlachteten Tieren haben germanische Druiden die Zukunft gelesen. Nicht sehr appetitlich, aber jede Epoche hat ihre eigenen Sitten und Gebräuche. Auch die allseits bekannten Bauernregeln basieren auf der Beobachtung und Deutung von Zeichen. Regnet es am Siebenschläfertag, bleibt das Wetter die nächsten sieben Wochen regnerisch. Das hat allerdings weniger mit Mystik zu tun, sondern basiert auf Erfahrungswerten, die aus jahrhundertelanger Naturbeobachtung resultieren.

Ein Experte auf dem Gebiet der mystischen Symbolik ist der brasilianische Schriftsteller Paulo Coelho. In seinen Romanen spielt das Erkennen und Deuten von Zeichen oft eine zentrale Rolle. Coelho feierte jüngst seinen 70ten Geburtstag. Ein Zeichen? Wer weiß. Auf jeden Fall Grund genug, einen näheren Blick auf sein bewegtes Leben zu werfen.

Kindheit

Paulo Coelho wird am 24. August 1947 in Rio de Janeiro ganz irdisch und frei von Mysterien geboren. Sein Vater ist von Beruf Ingenieur und viel auf Reisen. Paulo entwickelt eine starke Bindung zu seiner Mutter, einer Hausfrau mit ausgeprägtem Hang zur Religiosität. Folgerichtig besucht Paulo bereits im Alter von sieben Jahren die Jesuitenschule Colégio Santo Inácio in Rio de Janeiro. Schon bald beginnt sich der Junge gegen die strenge Schulordnung und Hierarchien aufzulehnen, er gilt als schwierig und unbelehrbar. Das einzige Schulfach, das ihm Freude bereitet ist der Sprachunterricht und bereits zu dieser Zeit keimt der Wunsch in ihm, eines Tages ein berühmter Schriftsteller zu werden. Er beginnt zu schreiben und gewinnt einen von der Schule veranstalteten Lyrikwettbewerb. Seine ersten literarischen Lorbeeren. Es wird viel Zeit vergehen, bis er das nächste Mal für seine schriftstellerische Arbeit honoriert werden soll.

Jugend und Psychiatrie

Es folgen schwierige Jahre. Paulos schulische Leistungen werden zunehmend schlechter und er hat mit Einsamkeit und Schwermut zu kämpfen. Rückblickend sagt er über diese Zeit: „Ich war ein asthmatischer Junge, der keine Muskeln hatte, nicht Fußball spielen konnte und sich hässlich fühlte. Die Mädchen schauten durch mich hindurch.“ Sein Traum, ein berühmter Schriftsteller zu werden, entwickelt sich zur Obsession. Dieser Weg scheint ihm der einzig mögliche, sich von der Schmach seines Daseins zu befreien. Während der Schulzeit schreibt er über 200 Tagebücher, in einem davon heißt es „Mein großes Ideal: derjenige zu sein, der DAS Buch des Jahrhunderts geschrieben hat, DIE Gedanken des Jahrtausends, DIE Geschichte der Menschheit.“

Paulo ist 16 Jahre alt, als seine Eltern ihn zum ersten Mal zu einem Psychiater schicken. Nachdem jahrelange Sitzungen in den Augen seiner Eltern keine Verbesserung von Paulos Gemütszustand bewirken, lassen sie ihn 1966 in die psychiatrische Anstalt „Casa de Saúde Dr. Eiras“ einweisen. Um den Jungen „zur Vernunft zu bringen“, wird er dort mit Elektroschocks traktiert und unter schwere Psychopharmaka gesetzt. Die traumatischen Erfahrungen, die Paulo während der stationären psychiatrischen Behandlung macht, verarbeitet er sehr viel später in seinem Erfolgsroman Veronika beschließt zu sterben.

Studium und Rebellion

Nach Abschluss der Schule beginnt Paulo, sehr zum Ärger seines Vaters, ein Studium der Rechtswissenschaften. Coelho Senior hätte gerne gesehen, dass der Sohn in seine Fußstapfen tritt und ebenfalls Ingenieur wird. Doch das Interesse Paulos überhaupt ein Studium abzuschließen ist nur von kurzer Dauer. Bereits nach einem Semester verlässt er die Universität und schließt sich der brasilianischen Hippiebewegung an. Er experimentiert mit Drogen aller Art und unternimmt eine zweijährige Reise durch Südamerika, Nordafrika und Europa. Zurück in Brasilien schließt er sich gemeinsam mit dem Musiker Raul Seixas der antikapitalistischen Alternativen Gesellschaft an, die sich öffentlich gegen die brutale Militärdiktatur des Landes stellt. Die Gruppe propagiert Freiheit und Selbstbestimmung und veranstaltet Meetings auf denen magische Rituale durchgeführt werden.

Opfer der Macht

Paulo schreibt provokante Songtexte für Raul Seixas und verdient seinen Lebensunterhalt als Theater- und Drehbuchautor. Schnell gerät er ins Fadenkreuz des Militärregimes, das in seinen Texten die Bildung einer möglichen Oppositionsbewegung vermutet. 1974 kommt es zur Katastrophe: Paulo wird auf offener Straße von einem Kommando des Geheimdienstes DOI-CODI aus einem Taxi gezerrt und in eine Kaserne verschleppt. Er wird mit Elektroschocks gefoltert und tagelang bei absoluter Dunkelheit in eine winzige, eiskalte Zelle gesperrt. Dort, in dem von den Gefangenen „Kühlschrank“ genannten Raum, verliert Paulo jegliches Zeitgefühl und noch schlimmer: Seine Selbstachtung. Nach einer Woche, die ihm unendlich erscheint, wird Paulo entlassen, doch erst drei lange Jahre später kann er das Gefühl abschütteln, noch immer in der lichtlosen Zelle gefangen zu sein. „Gefoltert zu werden verändert einen Menschen für immer. Dein altes Selbst bekommst du nie wieder zurück.“

Sinnsuche und Visionen

1977 geht der inzwischen verheiratete Paulo mit seiner Frau nach London und versucht sich ohne Erfolg als Schriftsteller zu etablieren. Bereits ein Jahr später kehrt das Ehepaar nach Brasilien zurück und Paulo nimmt eine Stelle als Redakteur für ein Musikmagazin an. Doch weder seine Ehe noch die Arbeit vermögen die Leere aus seinem rastlosen Leben zu vertreiben. Es kommt zur Scheidung und zeitgleich kündigt Paulo nach nur drei Monaten seine Stelle als Redakteur. Er trifft seine alte Jugendfreundin Christina Oiticica wieder, die mittlerweile als Malerin arbeitet und später Paulos zweite Frau werden soll. Doch zunächst begeben sich die beiden auf eine ausgedehnte Reise durch Europa.

Bei der Besichtigung des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau hat Paulo eine Vision: Ihm erscheint ein Mann, der ihm wortlos geheimnisvolle Zeichen gibt und wieder verschwindet. Drei Monate später trifft Paulo den Mann in einem Café in Amsterdam wieder, dieses Mal allerdings in Fleisch und Blut. Im Gespräch überzeugt ihn der Fremde davon zum Glauben zurückzukehren. Kurz darauf schließt sich Paulo dem katholischen Geheimorden Regnum Agnus Mundi an und zieht sich für fünf Jahre in ein spanisches Kloster zurück. In dieser Zeit studiert er die christliche Symbolsprache und macht sich innerlich bereit für eine Pilgerreise auf dem Jakobsweg.

Pilgerreise und erste Veröffentlichungen

Im Jahr 1986 legt er die 700 Kilometer lange Strecke des Jakobswegs nach Santiago de Compostela in nur 55 Tagen zu Fuß zurück. Diese Erfahrung, die er als Wendepunkt seines Lebens bezeichnet, inspiriert ihn, innerhalb von nur drei Wochen sein erstes Buch zu schreiben. Auf dem Jakobsweg - Tagebuch einer Pilgerreise nach Santiago de Compostela wird 1987 veröffentlicht, ohne große Aufmerksamkeit bei Kritikern oder in den Medien zu wecken. Auch als 1988 sein Roman Der Alchimist erscheint, bleibt die Resonanz aus. Von dem Roman werden nur 900 Exemplare verkauft, woraufhin sich der Verlag von Coelho trennt.

Ein Stern geht auf

Trotz des ausbleibenden Erfolgs verfolgt Paulo Coelho seinen Kindheitstraum vom Durchbruch als Schriftsteller hartnäckig weiter. Und wie allgemein bekannt ist, siegt Hartnäckigkeit auf lange Sicht. Schließlich kommt der Wendepunkt: Der größere Verlag Editora Rocco interessiert sich für sein Werk und publiziert 1990 Paulos neues Buch Brida. Presse und Literaturkritiker feiern das Werk gleichermaßen und der Verlag gibt umgehend eine Neuauflage seiner Erstlingswerke heraus. Innerhalb kürzester Zeit schießt Der Alchimist an die Spitze der internationalen Bestsellerlisten. Mit 43 Jahren ist Paulos Traum wahr geworden.

Der Erfolgsautor heute

Mittlerweile gehört Paulo Coelho zu den Top Ten der meistgelesenen Autoren weltweit. Von seinen insgesamt über 20 Büchern wurden 210 Millionen Exemplare in 80 Sprachen verkauft. Mit 10 Millionen Followern bei Twitter und 26 Millionen Fans bei Facebook ist er der Schriftsteller mit der größten Fangemeinde in den sozialen Netzwerken weltweit. Er lebt mit seiner zweiten Frau abwechselnd in Rio de Janeiro, Genf und einem kleinen französischen Dorf in der Nähe des Wallfahrtorts Lourdes.

„Eines Tages wirst du aufwachen und keine Zeit mehr haben für die Dinge, die du immer wolltest. Tu sie jetzt.“

Paulo Coelho

Copyright; © Das Blaue Sofa / Club Bertelsmann - Flickr.com

Empfohlene Produkte

Teilen

Sie müssen sich registrieren

Zum Registrieren, hier klicken

Kommentar hinzufügen

Blog Kategorien

Alpha des Monats
Zu allen Zeiten gab es Männer, deren besondere Leistungen sie aus der breiten Masse hervorstechen [...]

Alphanews

Das psychologische Alpha(bet) des Mannes.
In dieser neuen Rubrik werden wir in alphabetische Reihenfolge typisch männliche Attribute unter die Lupe [...]

Kunden Wollen Wissen
In der „Kunden Wollen Wissen“ Kategorie gehen wir ausführlich auf die Fragen unserer Kunden ein. [...]

Neuigkeiten
Wann immer wir etwas Spannendes über A.P. Donovan zu berichten haben, erfahren Sie es in dieser Kategorie. [...]