10/17 - Nelson Mandela


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10/17 - Nelson Mandela

Der Ungebrochene

Nachdem der südafrikanische Staatspräsident Frederik de Klerk am 2. Februar 1990 die Freilassung aller politischen Gefangenen ankündigt, gerät die politische Situation in Südafrika außer Kontrolle. Faktisch will de Klerk die systematische Rassentrennung aufheben, Parteiverbote abschaffen und damit das Ende des Apartheidsystems erzwingen. Bereits seit geraumer Zeit führt er in diesem Sinn inoffizielle Gespräche mit einem der bedeutendsten inhaftierten Politaktivisten, Nelson Mandela. Der ehemalige Anführer des ANC und Befürworter des bewaffneten Widerstands wurde bereits im Jahr 1964 zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Präsident de Klerk stellt ihm mehrmals eine sofortige Freilassung in Aussicht, fordert als Gegenleistung aber Mandelas öffentliche Abkehr vom Widerstand. Mandela lehnt ab.

Doch der politische Umbruch im Land ist nicht zu stoppen und im Rahmen der verkündeten Generalamnestie kommt Nelson Mandela am 11. Februar 1990 frei. Hinter ihm liegen 27 Jahre Gefangenschaft. Und doch wird er nicht zum Rächer seines gestohlenen Lebens, er wird zum ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas und zum großen Versöhner einer ganzen Nation. Werfen wir einen näheren Blick auf das Leben dieses außergewöhnlichen Mannes, bevor er zu lebenslanger Haft verurteilt wurde.

Der „Unruhestifter“

Nelson ist nicht der wirkliche Taufname Mandelas. Nach seiner Geburt am 18. Juli 1918 in der Nähe von Umtata, der Hauptstadt der Transkei, genauer gesagt im winzigen Dorf Mvezo am Ufer des Mbashe-Flusses, geben ihm seine Eltern den Namen Rolihlahla. Das bedeutet so viel wie „Am Ast eines Baumes ziehen“ und bezeichnet in der Sprache seines Volkes der Xhosa einen Unruhestifter. Wie bezeichnend dieser Name im späteren Leben Mandelas sein wird, ahnt zu diesem Zeitpunkt noch niemand. Rolihlahla wächst getreu der Tradition der Xhosa auf, wird geformt von „Sitte, Ritual und Tabu“. Bereits mit fünf Jahren hilft er beim Hüten der Tiere, sammelt Nahrung, erlernt den Fischfang und das Kämpfen mit einem Stock.

An seinem ersten Schultag verteilt der Lehrer nach dem Zufallsprinzip britische Namen an die Kinder. Aus dem kleinen Rolihlahla wird so in Gedenken an den berühmten britischen Admiral der kleine Nelson. Einen weiteren Namen erhält Nelson, als er im Alter von 16 Jahren mit einem Initiationsritual in die Reihe der Erwachsenen der Xhosa aufgenommen wird: Dalibunga. Auf Deutsch bedeutet das in etwa „Gründer des Rates“. Bei Nelson, alias Rolihlahla, alias Dalibunga, trifft das alte lateinische Sprichwort „Nomen est Omen“ ausnahmsweise einmal voll ins Schwarze.

Der Gelehrige

Bereits früh in seinem Leben lernt Nelson, ebenfalls ganz in der Tradition der Xhosa, einen Gegner im Kampf zu bezwingen, ohne ihn zu entehren. Mit großem Interesse nimmt er regelmäßig an den von seinem Stiefvater geleiteten Stammesversammlungen teil. Bei diesen Zusammenkünften wird mithilfe der Methode der einvernehmlichen Beschlussfassung versucht, einen Konsens in Streitfragen zu finden. Jeder darf dabei, ungeachtet seines Standes, freimütig sein Anliegen vortragen. Auch direkte Kritik am Stammesvorsitzenden ist möglich und wird zur Diskussion gestellt. Hier erhält Nelson seine erste politische Prägung und entwickelt eine vom Gedanken der freien Demokratie getragene Gesinnung. Eine Weltsicht, die maßgeblich seinen späteren Kampf gegen das Apartheitsregime Südafrikas beeinflusst.

Mit 19 Jahren besucht Nelson die methodistische Missionsschule Healdtown Methodist College. Das britisch geprägte College liegt 250 Kilometer von seinem Heimatdorf entfernt. Hier knüpft Nelson erste Kontakte zu Menschen, die nicht dem Volk der Xhosa angehören. Er beginnt sich bewusst als Afrikaner zu verstehen, unabhängig von allen Stammesgrenzen.

Zwei Jahre später schreibt sich Nelson als Student am University College von Fort Hare in Alice ein. Die Bildungseinrichtung unter Regie der Anglikaner ist trotz ihrer nur 150 Studenten Dreh- und Angelpunkt zahlreicher Gelehrter aus Süd-, Zentral- und Ostafrika. Hier lernt Nelson seinen langjährigen politischen Weggefährten Oliver Tambo kennen, einen späteren Präsidenten des African National Congress (ANC). Neben den Studienfächern Englisch, Anthropologie, Politik und Römisch-Holländisches Recht belegt Nelson auch einen Studiengang mit dem seltsam anmutenden Namen „Eingeborenenverwaltung“. Im Lauf seines Studiums ändert Nelson seinen ursprünglichen Plan und Berufswunsch Berater am Königshaus der Thembu zu werden. Er strebt jetzt eine Dolmetscher- oder Beamtenkarriere für das Regierungsministerium für „Eingeborenenangelegenheiten“ an.

Der Rastlose

Am College in Fort Hare beginnt Nelson sich erstmals politisch zu engagieren und wird Mitglied des Studentenrats Student Representative Council (SRC). Nachdem er und seine Kommilitonen gegen die schlechte Verpflegung auf dem Campus demonstrieren, wird er von der Collegeleitung vor ein Ultimatum gestellt: Entweder er lenkt ein, oder er wird vorübergehend vom Unterricht suspendiert. Nelson bleibt seiner Gesinnung treu und verlässt das College. Mittlerweile hat Nelsons Stiefvater heimlich die Eheschließung von ihm und seinem leiblichen Sohn Justice arrangiert. Die Halbbrüder sind zwei Thembu-Mädchen versprochen worden. Der Brautpreis ist bereits ausgehandelt und die Abmachung damit nicht mehr widerrufbar.

Nelson und Justice beschließen gemeinsam nach Johannesburg zu fliehen. Nachdem sie im April 1941 dort ankommen, nimmt Nelson zunächst eine Stelle als Wachmann in einem Goldbergwerk an. Die kapitalistische Ausbeutung der schwarzen Arbeiter ist Grund für heftige Auseinandersetzungen mit seinen Vorgesetzten, die zur schnellen Entlassung Mandelas führen. Ein einflussreicher Freund der Familie verschafft ihm eine Ausbildungsstelle in der Anwaltskanzlei Witkin, Sidelsky & Eidelman. Dort freundet sich Mandela mit dem jüdischen Kommunisten Nat Bregman an und geht damit die erste nähere Beziehung zu einem Weißen in seinem Leben ein. Er lebt unter ärmlichen Bedingungen im heruntergekommenen Stadtteil Alexandra und betätigt sich neben seiner Kanzleiarbeit als Schwergewichtsboxer. Nach dem Abschluss seiner Ausbildung beginnt er auf Anraten des ANC-Generalsekretärs Walter Sisulu ein Jurastudium an der Witwatersrand-Universität, kann dieses jedoch aufgrund seiner zunehmenden politischen Aktivitäten nicht beenden.

Der Aktivist

Ab 1944 wird Nelson Mandela aktives Mitglied des ANC. Wir schalten an dieser Stelle den Zeitraffer ein: Seine politischen Aktivitäten sind zu vielschichtig und umfangreich, um hier im Detail aufgelistet zu werden. Er gründet die Jugendliga des ANC, die dem Parteiprogramm der alteingesessenen Mitglieder kritisch gegenübersteht. Die Jugendliga will Bauern und Arbeiter in ihr Programm mit einbeziehen und zu einer mächtigen Massenbewegung anwachsen. Mandela steigt durch Fleiß und Engagement schnell in der Hierarchie der Bewegung auf und wird erst zum Sekretär und dann zum Präsidenten der Jugendliga gewählt.

Gleichzeitig nehmen die Proteste der schwarzen Bevölkerung im Land zu. Bei den Feierlichkeiten zum 300. Jahrestag der Ankunft der ersten europäischen Siedler am Kap kommt es zu landesweiten Massenprotesten. Für seine Beteiligung an den Vorbereitungen der Demonstrationen wird Nelson Mandela zu neun Monaten Haft und Zwangsarbeit verurteilt. Nach seiner Entlassung wird er 1952 zum stellvertretenden Präsidenten des ANC gewählt. In seinem neuen Amt widmet er sich verstärkt dem Kampf gegen die Apartheid, was unmittelbar staatliche Repressalien in Form von Aufenthaltsbeschränkungen und Verhaftungen nach sich zieht. 1958 heiratet Nelson Mandela die Bürgerrechtlerin Winni Nomzamo Madikizela.

Zwei Jahre später kommt es bei dem sogenannten Massaker von Sharpeville zu zahlreichen Toten und der ANC wird offiziell verboten. Zahlreiche Mitglieder des ANC gehen in den militanten Untergrund und Nelson Mandela organisiert dort die Gründung des bewaffneten Flügels des ANC, den Umkhonto we Sizwe. Er setzt sich zeitweise nach Algerien ab und nimmt dort an einer Guerillaausbildung teil. Nach seiner Rückkehr in die Heimat wird er gefasst und zunächst zu einer Gefängnisstrafe von fünf Jahren verurteilt. 1964 wird der Prozess erneut aufgerollt und Nelson Mandela wird zu lebenslanger Haft verurteilt. Er verbringt die folgenden 27 Jahre in Gefangenschaft.

Hier schließt sich der Kreis zu den eingangs erwähnten Gesprächen mit dem Staatspräsidenten Frederik de Klerk, dessen Amnestieerlass schließlich zur Freilassung Nelson Mandelas am 11. Februar 1990 führt. An diesem Punkt verlassen wir Nelson Mandela, dessen Leben und Wirken nach dem Gefängnis bereits zahlreiche Bücher füllt. Nelson Rolihlahla Mandela stirbt im Alter von 95 Jahren am 5. Dezember 2013 in Houghton, Johannesburg, an den Folgen einer Lungenentzündung.

„Nicht die Gewehrkugeln und Generäle machen Geschichte, sondern die Massen.“

Nelson Mandela

Copyright Bild: © Werner Vermaak - Flickr.com

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