11/16 - Bruce Springsteen


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11/16 - Bruce Springsteen

„We learned more from a three minute record than we ever learned in school.“

The Boss is back

Der Londoner Hydepark verwandelt sich bei den ersten Schlagzeugrhythmen in einen Hexenkessel. Abertausende Fans reißen die Arme in die Höhe, stampfen den brachialen Takt mit den Füßen und brüllen, was die Lunge hergibt. Lässig hängt dem Frontmann auf der Bühne eine Fender-Telecaster um den Hals, natürlich stilecht auf Gürtelhöhe. Das Blau seines Hemdes ist von dunkel glänzenden Schweißflecken übersät. Als die Orgel hymnisch einsetzt, tritt der Mann ans Mikro und mit seiner unverkennbaren Reibeisenstimme singt, nein BRÜLLT er die erste Songzeile: „Born down in a dead man's town…“

Spätestens jetzt werden alle Zweifel von dieser Stimme hinweggefegt, kein Irrtum möglich: Hier steht der „Boss“ auf der Bühne. Und er gibt mal wieder alles, bringt seine britischen Fans dazu mit ihm gemeinsam „I was born in the U.S.A.“ zu grölen, obwohl die Vereinigten Staaten weit entfernt jenseits des großen Teichs liegen. In diesem Moment fühlen sie sich alle wie waschechte Amerikaner. Wie bringt der Mann das fertig? Um das zu verstehen werfen wir einen Blick auf den Werdegang des bahnbrechenden Musikers Bruce Springsteen aka „The Boss“.

Alles fängt klein an

Bruce Springsteen wird am 23. September 1949 in Long Branch, New Jersey geboren. Seine Kindheit wird von den ärmlichen Verhältnissen und dem religiösen Eifer seiner Eltern gleichermaßen geprägt. Schon früh beginnt Bruce gegen die geistige Enge seines Elternhauses, der katholischen Schule und der spießigen Kleinstadt zu rebellieren. In der Schule entwickelt er sich mehr und mehr zum Außenseiter, gerät ständig in Konflikte mit seinen Lehrern und zieht sich zunehmend zurück. Das während dieser Zeit entwickelte Gespür für seine Isolation soll ihn bis ins Erwachsenenalter begleiten. Im Alter von zehn Jahren sieht Bruce in der Ted Sullivan Show einen Auftritt von Elvis Presley. Danach gibt es nur noch ein Ziel für ihn: Er will Rockmusiker werden. Die Musik scheint ihm der ideale Weg zu sein, gegen all den erdrückenden Kleinstadtmief aufzubegehren. Er wünscht sich eine Gitarre, bekommt sie und lernt autodidaktisch darauf zu spielen.

Die Weichen werden gestellt

Mit vierzehn Jahren wechselt Bruce die Schule und beginnt sich ernsthaft mit der Musik zu beschäftigen. Er kauft sich für 18 Dollar eine gebrauchte E-Gitarre, die vor allem eins ist: laut. In einem späteren Interview sagt er über diese Zeit: „Es gab zwei Dinge, die bei uns unbeliebt waren. Das eine war ich und das andere meine Gitarre.“ Das kulturelle Leben im Hause Springsteen wird vom Fernsehprogramm bestimmt und Bruce hat kaum Zugang zur Literatur. Das ändert sich mit den Songtexten von Bob Dylan, die ihn nachhaltig beeindrucken und seine Musik prägen. Mit 16 Jahren tritt Bruce der Band Castiles bei, die sich mit Auftritten in Bars und Cafés schnell zu lokaler Berühmtheit spielt. 1966 ziehen seine Eltern nach Kalifornien, wo der Vater eine Stelle als Busfahrer in Aussicht hat. Bruce bleibt zunächst allein im Haus der Eltern in Jersey und zieht dann in ein Zimmer nach Asbury Park. Er geht keiner geregelten Arbeit nach und verbringt seine Zeit mit Musik, Softball, Surfen, Mädchen und Autofahren. Im Jahr 1968 nimmt er zum einzigen Mal in seinem Leben einen Job außerhalb der Musikszene an und arbeitet für fünf Wochen als Gärtner.

Zeit der Suche und erste Erfolge

Nach seinem Austritt bei den Castiles im Jahr 1968 gründet und verwirft Bruce mehrere Bandprojekte in rascher Folge, spielt als Gastmusiker in verschiedenen Bands und tritt solo nur mit der Akustikgitarre auf. Er führt ein typisch unstetes Musikerleben, erspielt sich dabei einen guten Namen in der Szene. Im Juli 1971 gründet er die Bruce Springsteen Band, die als Vorläufer seiner bis heute existenten E Street Band gilt. Mit dieser Formation nimmt Springsteen 1972 sein erstes Studioalbum mit dem Namen Greetings from Asbury Park, N.J. auf. Der Springsteen dieser Zeit wird im Nachhinein von Weggefährten als manisch angetriebener Musiker voller Arbeitseifer beschrieben. Zugleich sei er aber schüchtern und in geschäftlichen Dingen sogar naiv gewesen. Lediglich auf der Bühne wäre Springsteen komplett aufgetaut und hätte Führungsqualitäten entwickelt.

Springsteens Debütalbum ist zwar ein kommerzieller Flop, weckt aber Interesse bei John Hammond, dem Geschäftsführer von Columbia Records. Er nimmt den jungen Musiker unter Vertrag. Noch im gleichen Jahr wird Springsteens zweites Album The Wild, the Innocent & the E Street Shuffle veröffentlicht. Obwohl auch dieses Album floppt, wird es heutzutage von Kritikern als eines der besten und zu Unrecht wenig beachteten Alben Springsteens bezeichnet.

Der Durchbruch

Mit seinem dritten Album Born to Run gelingt Springsteen 1975 der kommerzielle Durchbruch. Die Presse überschlägt sich in Lobeshymnen und Superlativen über die Geburt eines neuen Stars. Springsteens Gesicht ist zeitgleich auf dem Cover des Time Magazins und der Newsweek zu sehen, eine Ehre, die nur wenigen zuteilwird. Bereits ein Jahr zuvor hatte der Musikkritiker Jon Landau nach einem Konzert von Springsteen geschrieben: „Ich habe die Zukunft des Rock’n’Roll gesehen, und ihr Name ist Bruce Springsteen.“ Kurz darauf trennt sich Springsteen nach einem Rechtsstreit von seinem Manger Mike Appel und der besagte Jon Landau tritt dessen Nachfolge an.

Aus Springsteen wird „The Boss“

Mit der Veröffentlichung des Albums Born in the U.S.A. im Jahr 1984 wird Springsteen endgültig zum Superstar. Gleich sieben Single-Auskopplungen schaffen den Weg in die Top-Ten und seine Konzerte füllen mittlerweile große Stadien. Auf dem Album Born in the U.S.A. hat Springsteen seine Songs noch weiter vereinfacht und auf das Wesentliche reduziert. Knackige Rockriffs auf der Gitarre und eingängige „Mitsing-Refrains“ sorgen für einen hohen Wiedererkennungswert und Massenkompatibilität. Seitdem hat Springsteen mehr als ein Dutzend weiterer Alben veröffentlicht, die nahezu alle erfolgreich waren. Viele seiner zahlreichen Fans weltweit verehren ihn wie einen Volkshelden. Ein Umstand den Springsteen nicht zuletzt seiner überaus charismatischen Bühnenpräsenz und der oft kopierten Hemdsärmeligkeit verdankt.

Die Magie der Texte

Bruce Springsteen porträtiert in seinen Texten häufig das Leben des „kleinen Mannes“ mit all seinen Höhen und Tiefen, den Sehnsüchten und unerfüllten Wünschen. Er gilt als aufmerksamer Beobachter und Chronist des amerikanischen (Alp)traums und erzählt die Geschichten der Gestrauchelten, der Underdogs und gescheiterten Existenzen. Dabei vermeidet er es politisch zu werden, benennt keine Ursachen oder Schuldigen, sondern schildert die Auswirkungen von Missständen anhand exemplarisch erzählter Lebensschicksale. Neben seiner kraftvollen Musik sind es vor allem diese Texte, die vielen Fans eine Möglichkeit der Identifikation bieten. Er spricht ihnen aus der Seele und trifft sie mitten ins Herz. Darüber hinaus handeln viele seiner Texte von klassischen und Ur-amerikanischen Motiven: The Road, The River und nicht zuletzt vom Freiheitssymbol schlechthin, dem Auto.

Still Alive

Jüngst, im Juni 2016, hat der mittlerweile 67jährige Springsteen Zehntausende von Fans im Berliner Olympiastadion begeistert. Von Müdigkeit und Alter keine Spur: Über drei Stunden Vollgas, von einem Hit zu nächsten. Und immer dabei: Die legendäre E Street Band, deren Leadgitarrist Steven Van Zandt vielen mittlerweile auch als Hauptdarsteller der Serie „Lillyhammer“ ein Begriff sein dürfte. Es war ein großes Fest: Wenn der Boss singt, kommen halt alle…

„An unfulfilled life makes a hard man.“

Bruce Springsteen

Copyright © Terry Smith - Flickr.com

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