11/17 - Eminem


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11/17 - Eminem

Harte Welle

Ein kurzer Auszug aus der deutschen Übersetzung des Eminem-Songs „Cold Wind Blows“ macht schnell klar, warum man auf einer Kuschelrock-CD vergeblich nach dem erfolgreichsten Rapper aller Zeiten suchen wird:

„Du kriegst einen Arschtritt, scheiß auf den ganzen Liebes-Scheiß, Liebling.

Ja, ich lache, wenn ich dich eine Hure nenne, es ist lustig.

Kleine, tanze während ich dich zu dem Beat beleidige, scheiß auf die Worte.

Du hörst ihnen eh nicht zu, yeah, ich hab wohl einen wunden Punkt getroffen.“

Harte Worte, mit ebenso harten Beats unterlegt. Das ist nicht wirklich massenkompatibel, hat Eminem im Lauf der Zeit aber eine solide und vorwiegend männliche Fanbase verschafft. Und, fast noch wichtiger: Respekt in der überwiegend schwarzen Rapperszene der USA. Für diesen Respekt hat der Underdog aus Detroit einen steinigen Weg beschreiten müssen. Gehen wir gemeinsam zurück ins Jahr 1972 und machen uns ein Bild davon, wie steinig dieser Weg wirklich war.

Eine zerrissene Kindheit

Eminem kommt am 17. Oktober 1972 in St. Joseph, Missouri, als Marshall Bruce Mathers III zur Welt. Als Marshall drei Monate alt ist, lässt sein Vater die erst 17-jährige Mutter Deborah „Debbie“ Mathers im Stich und verschwindet spurlos. Debbie ist drogenabhängig, gewalttätig und mit der Situation hoffnungslos überfordert. Zudem leidet sie (wie Eminem später in dem Song My Mom erwähnt) am Münchhausen-Stellvertretersyndrom. Dabei handelt es sich um eine spezielle Form der Kindesmisshandlung, bei der die Mutter immer wieder angebliche Krankheiten von Marshall vortäuscht.

Finanzielle Probleme zwingen Debbie zu 30 Umzügen in kurzer Folge mit denen ständige Schulwechsel ihres Sohns einhergehen. Als der „ewig Neue“ wird Marshall immer wieder Opfer von Mobbing und Ausgrenzung. Mit 10 Jahren wird er so heftig verprügelt, dass er eine Hirnblutung erleidet und fünf Tage im Koma liegt. Nachdem er aus dem Koma erwacht, leidet er noch längere Zeit an einem Seh- und Gehörverlust. Debbie verklagt daraufhin die Schule. Das Verfahren verläuft jedoch nach einem Jahr im Sand. Als Marshall zwölf Jahre alt ist zieht Debbie mit ihm nach Warren, einer Vorstadtgemeinde von Detroit. In dem vorwiegend von Afro-Amerikanern bewohnten Bezirk verbringt Marshall den Rest seiner Jugend.

Prägende Einflüsse

Marshalls nur wenige Monate älterer Halbonkel Ronald „Ronnie“ Polkinghorn begeistert den Jungen für Rap-Musik. Die Beastie Boys und die Hiphop-Crew N.W.A. werden zu seinen musikalischen Vorbildern. Bereits mit 14 Jahren beginnt Marshall an Freestyle-Battles der Osborn High School teilzunehmen. Er ist, um im Slang der Szene zu bleiben, „fuckin‘ brillant“ und verdient sich rasch seine ersten Lorbeeren als Undergroundrapper. Zu dieser Zeit lernt er auch seine spätere Frau Kimberley „Kim“ Ann Scott kennen. Seine Leistungen in der Schule werden immer schlechter und er muss die neunte Klasse zweimal wiederholen. Mit 17 schmeißt er die Schule ohne Abschluss und beginnt sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser zu halten. Eine Zeitlang arbeitet er in einem Restaurant namens „Gilbert’s Lodge“, wo er die Bestellungen der Gäste mit Reimen aufnimmt. Er wohnt zu dieser Zeit schon nicht mehr bei seiner Mutter und muss diverse Male über Nacht die Wohnung wechseln, da er seine Miete nicht zahlen kann. Im Jahr 1991 erschießt sich sein Halbonkel Ronnie mit einer abgesägten Schrotflinte. Dieses tragische Ereignis stürzt Marshall in eine schwere Krise, da Ronnie für ihn Freund, Vorbild und Ersatzvater zugleich war.

Last Exit Rap

1992 nehmen die Brüder Mark und Jeff Bass vom Detroiter Label FBT Productions den 20-jährigen Marshall unter Vertrag. Er wird unter dem Namen M&M (Marshall Mathers) Mitglied der Rapcrew „Bassmint Productions“. 1995 ändert die Crew ihren Namen in „Soul Intent“ und veröffentlicht ihre erste Single mit dem bezeichnenden Titel „Fuckin’ Backstabber“ (Verdammte In-den-Rücken-Stecher). Um einen Rechtsstreit mit der Mars Inc., dem Hersteller der Süßigkeit M&M’s, zu vermeiden, gibt Marshall seinen Künstlernamen M&M auf und nennt sich fortan Eminem, einer umgangssprachlichen Variante von „M and M“. Am 25. Dezember des gleichen Jahres kommt Eminem‘s und Kim‘s erste Tochter Hailie Jade zur Welt. Gleichzeitig adoptiert das junge Paar Kim’s Nichte Alaina, deren Eltern bei einem Unfall kurz zuvor ums Leben gekommen sind.

Ein Jahr später lernt Eminem seinen späteren Manager Paul Rosenberg kennen. Paul ist selbst ein ehemaliger Rapper, sattelt zu dieser Zeit jedoch auf Anwalt um, da er in die finanzielle und rechtliche Welt des Musikbusiness einsteigen will. Eminem nimmt unter der Regie von FTB Productions sein Debüt-Album „Infinite“ auf, das mit einer Auflage von 1000 Kassetten(!) und 100 Vinyl-Alben veröffentlicht wird. Er benutzt die Kassetten in erster Linie, um sich bei Veranstaltern zu bewerben und insgesamt verkaufen sich nur 250 Exemplare von Infinite. Kurz nach der Veröffentlichung begeht Eminem aufgrund persönlicher Probleme und Alkohol- sowie Drogenmissbrauch einen Selbstmordversuch.

Eminem trifft auf Slim Shady

1996 gründet sein Rap-Kollege „Proof“ ein loses Kollektiv von sechs Rappern. Alle Mitglieder beschließen für ihre Person ein Alter Ego zu erschaffen, um hinter dieser Maske ungestört ihren echten Hardcore-Rap zu entwickeln. So wird aus Eminem die Kunstfigur „Slim Shady“ und er veröffentlicht unter diesem Namen eine EP mit dem Titel „The Slim Shady EP“.

Als er 1997 den zweiten Platz bei der Rap-Olympiade belegt und den begehrten „Freestyle Performer of the Year-Award“ gewinnt, wird der CEO von Interscope Records auf ihn aufmerksam. Eminem bekommt sofort einen Plattenvertrag. Auf der Grundlage seiner Slim Shady EP entsteht sein erstes richtiges Album „The Slim Shady LP“.

Der Durchbruch

Als „The Slim Shady LP“ im Februar 1999 veröffentlicht wird, hebt die Eminem-Rakete ab. Über Nacht schießt das Album auf Platz 2 der amerikanischen Billboard Charts und wird bereits im Jahr 2000 mit vierfachem Platin für über 4 Millionen verkaufte Exemplare ausgezeichnet. Ab diesem Punkt beginnen sich die Ereignisse zu überschlagen, bis sie in der Gegenwart in dem Titel „Erfolgreichster Rapper der Welt“ kulminieren. Werfen wir daher einen Blick auf einige der bemerkenswertesten und unerfreulichsten Momentaufnahmen der letzten 18 Jahre:

Shocking Moments

Bereits im Jahr 1999 verklagt Eminem‘s Mutter ihn auf 10 Millionen Dollar Schmerzensgeld. Der Grund: Üble Nachrede. In verschiedenen Interviews bezeichnet der Rapper seine Mutter als „unstable, law suit-happy drug user“ (labile, prozessfreudige Drogenabhängige). Nach der Einigung auf eine Zahlung von 10.000 Dollar wird die Klage fallengelassen.

Im Mai 2000 wird Eminem wegen unerlaubtem Waffenbesitz zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Er hat den Geliebten seiner Frau Kim mit einer (ungeladenen) Waffe bedroht und krankenhausreif geprügelt. Kurz darauf wird die Ehe nach einem Selbstmordversuch Kim’s geschieden.

2003 erhält Eminem bei der Grammy-Verleihung drei Auszeichnungen, gleichzeitig gerät jedoch sein Drogenkonsum außer Kontrolle. Nach anfänglichem Leugnen gibt er zu abhängig von Vicodin, Valium und Ambien zu sein. Nachdem er 2005 eine Tournee wegen Erschöpfungszuständen abbrechen muss, begibt er sich in einen Medikamentenentzug, der allerdings erfolglos bleibt.

Nach einer musikalischen Auszeit stirbt Eminem 2007 beinahe an einer Überdosis Methadon. Er willigt in einen weiteren Entzug ein, der dieses Mal erfolgreich verläuft. Erst im Jahr 2010 steht er erstmals wieder auf den Bühnen einiger großer Festivals. Es sind die ersten Konzerte seines Lebens, bei denen er clean und nüchtern ist.

Zu guter Letzt: Die Texte

Im Lauf seiner Karriere ist Eminem immer wieder aufgrund seiner aggressiven Texte kritisiert worden. Er selbst hingegen sieht sich als friedliebenden Menschen, der sagt, was andere zwar denken, sich aber nicht auszusprechen trauen. Dem Vorwurf, er sei homophob hält Eminem entgegen, dass in seiner Heimat Detroit das Wort „Schwuchtel“ nicht einen Homosexuellen, sondern einen Schwächling bezeichnet, und er es in diesem Sinne in seinen Texten verwendet. Seine Texte sind nach eigener Aussage ironische Überspitzungen „stereotypischen Rappergehabes“, die er von seinen Hörern folgendermaßen interpretiert wissen möchte:

„Nehmt keine Drogen, habt keinen ungeschützten Geschlechtsverkehr, seid nicht gewalttätig – überlasst das mir!“

Eminem

© Adrian Mustredo - Flickr.com

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