12/16 - Robert De Niro


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12/16 - Robert De Niro

Der Rächer übt noch…

Ein schäbiges Appartement irgendwo in New York City. Im halb blinden Spiegel neben dem vergitterten Fenster ist ein junger Mann zu sehen. Er streift eine Jacke über den nackten, blassen Oberkörper und zieht den Reißverschluss zu. Schneller Kameraschwenk auf den Mann. Er verschränkt die Arme und betrachtet sein Spiegelbild mit abschätzigem Blick, wie einen unwillkommenen Fremden. Dann geht alles ganz schnell: Sein Blick wird fragend, provozierend, eine ruckartige Bewegung mit dem Oberkörper und plötzlich hält der Mann eine Waffe in der Hand. Er richtet sie mit triumphierendem Gesichtsausdruck auf sein Spiegelbild, murmelt ein paar Worte, lässt die Waffe sinken. Ein metallenes Klacken ist zu hören, als er die Waffe zurück in den Jackenärmel schiebt. Dann wieder der Blick in den Spiegel, fragend. Seine Worte kommen ungläubig erstaunt: „You talkin' to me? You talkin' to me? You talkin' to me? Then who the hell else are you talkin' to? You talkin' to me? Well I'm the only one here. Who the fuck do you think you're talking to?“ Ein erneutes blitzartiges Zucken mit dem Oberkörper und die Waffe liegt wieder in seiner Hand. Schnitt.

Was war das? Nun, das war Travis Bickle, alias der „Taxi Driver“, beim Ausprobieren seines selbstgebauten Quick-Draw-Sleeve-Gun-Mechanismus. Eine am Unterarm befestigte Vorrichtung, mit der die im Ärmel versteckte Waffe auf einer Gleitschiene in die Hand schnellt. Blitzartig, überraschend und tödlich. Verkörpert wird der nach Selbstjustiz dürstende Travis Bickle in Martin Scorseses Film „Taxi Driver“ von Robert De Niro. Das war 1976. Was davor und danach im Leben des Ausnahmeschauspielers mit dem „razorblade smile“ geschah, kommt jetzt:

Das Künstlerkind

Am 17. August 1943 wird Robert Mario De Niro jr. in New York, USA geboren. Beide Eltern sind Künstler: Roberts Mutter ist Malerin und Herausgeberin einer Kunstzeitschrift, sein Vater ist Maler und Bildhauer. Bereits zwei Jahre nach seiner Geburt trennen sich die Eltern und Robert zieht mit seiner Mutter in den Stadtteil Little Italy in Manhattan. Wegen seiner schwächlichen Gesundheit muss Robert die meiste Zeit zuhause bleiben und darf nicht mit den Kinder aus der Nachbarschaft auf der Straße spielen. Mit zehn Jahren steht Robert zum ersten Mal auf einer Bühne: Der scheue und zurückhaltende Junge, wegen seiner Blässe von allen „Bobby Milk“ genannt, spielt in einer Schulaufführung von „Der Zauberer von Oz“ den ängstlichen Löwen. In einem späteren Interview sagt er über diesen Schlüsselmoment seines Lebens: „Ich wollte schon mit zehn Jahren Schauspieler werden“.

Frühe Orientierung

Mit 16 verlässt Robert die Schule, um Karriere als Schauspieler zu machen. Seine Eltern unterstützen seine künstlerischen Ambitionen und verlangen nicht von ihm etwas „Anständiges“ zu lernen. Er geht mit einem Tour-Theater auf Reisen und verdient im Stück „Der Bär“ von Anton Tschechow seine erste Gage. Nach einer Tour durch die Südstaaten, auf der er in mehreren Hauptrollen besetzt wird, beginnt er im Stella Adler Studio of Acting Schauspielunterricht zu nehmen. Insbesondere die auch von seinem Vorbild Marlon Brando dort erlernte Technik des „Method Acting“ fasziniert den jungen Schauspieler. Er wird während seiner ganzen Karriere als Method Actor mit Haut und Haaren arbeiten. Jede dargestellte Figur wird von ihm vollständig gelebt und in allen Facetten erfahren.

Erste Sporen

Es folgen Engagements in verschiedenen Theateraufführungen und erste kleine Filmrollen. 1970 wird die Oscar-Preisträgerin Shelley Winters auf De Niro aufmerksam. Sie besetzt ihn als ihren Partner in „One Night Stands of a Noisy Passenger“. De Niro muss in dem Stück ein Bett mit einem Karateschlag zerstören. Ganz Method Actor trainiert er den Kampfsport monatelang, kann seine neuerworbenen Fähigkeiten aber nur siebenmal vorführen, bevor das Stück abgesetzt wird. Obwohl das Stück floppt, wird seine Darstellung von den Theaterkritikern lobend erwähnt. Nach einigen weiteren Theaterrollen beschließt De Niro sich ganz auf seine Filmkarriere zu konzentrieren.

Schicksalhafte Begegnungen

1973 spielt De Niro die Hauptrolle in dem Sportdrama „Das letzte Spiel“ und wird für seine intensive Darstellung des sterbenden Baseballspielers Bruce Person mit dem „New York Film Critics Award“ als bester Schauspieler ausgezeichnet. Kurz darauf trifft er den Regisseur Martin Scorsese, der genau wie er im Stadtteil Little Italy aufgewachsen ist. Scorsese gibt De Niro die Rolle des neurotischen Johnny Boy in seinem Film „Hexenkessel“. Der Film ist stark biographisch geprägt und erzählt die Geschichte einiger Kleinganoven, die sich im italienischen Viertel von New York durchschlagen. Die Kritiker sind voll des Lobes und der mit einem Budget von 500.000 Dollar gedrehte Film spielt mehr als 3 Millionen Dollar an den Kinokassen ein. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft: De Niro wird zu Scorseses bevorzugtem Schauspieler und von 1973 bis 1995 arbeiten sie bei acht erfolgreichen Filmen zusammen.

Der Pate

Nach dem Erfolg von „Hexenkessel“ erhält De Niro von Francis Ford Coppola die begehrte Rolle des Paten Vito Corleone in „Der Pate – Teil 2“. Er verkörpert darin in einer Rückblende den jungen Corleone, dessen Rolle im ersten Teil von Marlon Brando gespielt wurde. Der Film wird ein grandioser, weltweiter Erfolg und katapultiert De Niro in den Status eines Superstars. „Der Pate – Teil 2“ wird 1974 elfmal für den Oscar nominiert und kann am Ende sechs der begehrten Trophäen gewinnen. Ein Oscar geht an De Niro für seine Darstellung des jungen Corleone.

Taxi Driver

1976 gelingt dem Dreamteam Scorsese / De Niro der ganz große Wurf: Mit dem düsteren Drama „Taxi Driver“ schaffen sie einen Filmklassiker, der bis heute nichts von seiner Intensität und Wucht verloren hat. De Niro verkörpert, nein lebt darin den entwurzelten Vietnamveteranen Travis Bickle. Als „Gottes einsamster Mann“ arbeitet er als Taxifahrer in New York und ist zutiefst angewidert von dem menschlichen Abschaum, dem er in seinen langen Nächten begegnet. Er schwingt sich zum selbsternannten Beschützer und Rächer einer minderjährigen Prostituierten auf (Jodie Foster) und schlägt eine blutige Schneise durch New York. Zur Vorbereitung seiner Rolle arbeitet De Niro vor Drehbeginn mehrere Wochen als Taxifahrer. Der Film wird ein voller Erfolg, spielt 28 Millionen Dollar ein und etabliert De Niro endgültig als einen der führenden Charakterdarsteller Amerikas.

Erfolge und Privates

Die Filmographie Robert De Niros umfasst bereits mehr als 100 Filme. Darüber hinaus hat er bei 22 Filmen als Produzent mitgewirkt und zweimal selbst Regie geführt. Unvergessen seine Darstellung des Jake LaMotta im Boxerdrama „Wie ein wilder Stier“ von 1980. Eine Rolle, für die De Niro, ganz im Stil des Method Acting, ein ganzes Jahr lang Boxunterricht nahm und 30 Kilo an Gewicht zulegte. Neben zwei Oscars ist Robert De Niro mit wahrscheinlich allen Preisen bedacht worden, die es im amerikanischen Filmbusiness einzuheimsen gibt.

Im Privatleben lässt nichts an De Niro den „Wilden Stier“ erkennen: Er lebt zurückgezogen in New York und scheut den Medienrummel. Nach eigenen Worten geht er nur nach Los Angeles „…wenn ich dafür bezahlt werde.“ In Interviews, die er ungerne und selten gibt, gilt er als einsilbig und gibt keine Auskünfte über seine Rollenvorbereitung oder Schauspieltechnik. Aus seiner zwölfjährigen Ehe mit der Schauspielerin Diahnne Abbott (1976 bis 1988) ging ein gemeinsamer Sohn hervor. Zwei weiter Kinder entstammen einer langjährigen Beziehung mit dem Model Toukie Smith. Seit 1997 ist De Niro mit Grace Hightower verheiratet. Sie leben auch heute noch zusammen und haben zwei gemeinsame Kinder.

Zu guter Letzt und kaum zu glauben: Robert De Niro mag nach eigener Aussage seine Filme nicht ansehen… „Ich schlafe dabei ein“.

„Es gibt ein altes Sprichwort das besagt, mit der Ehe wäre es wie mit einem Boxkampf: Erst kommt der Ring, dann das K.O.“

Robert De Niro

Foto Copyright: © David Shankbone - Flickr.com

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