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Die Rasur mit einem Rasiermesser - Teil III: Die Komplettrasur


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Die Rasur mit einem Rasiermesser - Teil III: Die Komplettrasur

Das Rasiermesser ist auf dem Lederriemen abgezogen und scharf, der Bart ist eingeschäumt und eingeweicht: Jetzt kann es losgehen. In diesem Teil unserer Blogserie erklären wir Ihnen die Technik der gründlichen Komplettrasur. Die Anleitung zum präzisen Ausrasieren der Bartkonturen folgt im nächsten Teil.

Vorbemerkung

Ob Systemrasierer, Rasierhobel, Einwegrasierer oder Elektrorasierer – eines ist allen gemein: Sie haben eine, oder mehrere Klingen. Der Unterschied zum Rasiermesser besteht lediglich in der Sichtbarkeit der Klinge. Ein Rasiermesser besteht quasi nur aus offener Klinge und Griff, wohingegen die Klinge bei den anderen Rasier-Systemen mehr oder weniger versteckt und damit fast unsichtbar ist. Sie sollten der offenliegenden Klinge des Rasiermessers einen gesunden Respekt zollen, aber auf keinen Fall Angst vor ihr haben. Furcht vor Verletzungen lässt Sie innerlich verkrampfen, und diese Verkrampfung überträgt sich auf die Handhabung des Messers während der Rasur. Dabei ist es gerade der Zustand entspannter Gelassenheit, der die Zeremonie der Messer-Rasur zu etwas Besonderem macht. Vergessen Sie nicht: Sie selbst haben das Messer in der Hand, daher droht keine unkalkulierbare Gefahr!

Die Komplettrasur

Zwei wesentliche Faktoren für eine sichere und gründliche Rasur sind der Ansatzwinkel der Klinge und der auf das Rasiermesser ausgeübte Druck. Beginnen Sie an der großflächigen Hautpartie der Wange. Dort setzen Sie das Messer in einem Winkel von etwa 30 Grad direkt vor dem Ohr unterhalb des Wangenknochens auf die Haut und ziehen es mit sanftem Druck nach unten. Mit der freien Hand spannen Sie dabei die betreffende Hautpartie: Das beugt zum einen Schnittverletzungen vor und lässt zum anderen die Barthaare weiter aus den Haarkanälen hervortreten. Dabei folgt die Bewegungsrichtung der Klinge der Wuchsrichtung der Barthaare, Sie rasieren also mit dem Strich.

Wenn Sie sich bei der Wuchsrichtung der Barthaare nicht sicher sind, können Sie diese vor dem Waschen und Einschäumen des Gesichts leicht ermitteln. Fahren Sie mit dem Handrücken über Ihr Gesicht. Die Bewegungsrichtung mit dem geringsten Stoppelwiderstand (dem „Kratzen“) ist in Wuchsrichtung der Haare. Bei der Bewegung gegen die Wuchsrichtung, also gegen den Strich, ist der Stoppelwiderstand am stärksten spürbar. Zwischen diesen beiden Extremen liegt der mittlere Stoppelwiderstand bei der Handbewegung quer zur Wuchsrichtung.

Führen Sie das Rasiermesser möglichst locker aus dem Handgelenk. Der mit dem Pinsel aufgetragene Rasierschaum hat die Barthaare aufgerichtet und eingeweicht. Gleichzeitig fungiert er als Gleitmittel für die Klinge und vermindert die Kontaktreibung. Bei diesem ersten Durchgang mit dem Strich entfernen Sie circa 50 Prozent der vorhandenen Bartstoppeln. Arbeiten Sie sich über beide Wangen vorsichtig an die schwierigeren Partien an der Oberlippe, dem Kinn und dem Hals heran. Achtung Adamsapfel! Speziell im Bereich der Oberlippe und der Kinnpartie helfen Grimassen die Haut schön straff zu halten. Seien Sie kreativ: Sie dürfen ruhig albern aussehen, schließlich sind Sie mit Ihrem Spiegelbild allein. Denken Sie immer an den richtigen Anstellwinkel von 30 Grad. Direkt unter der Nase müssen Sie diesen Winkel zwangsläufig vergrößern. Seien Sie hier besonders vorsichtig, da mit steigendem Winkel die Schnittgefahr wächst. Zwischen den einzelnen Zügen müssen Sie die Schaum- und Stoppelreste vom Rasiermesser entfernen. Hier empfiehlt sich ein feuchter Schwamm auf dem Waschbeckenrand zum Abstreichen der Klinge: Das ist einfacher als jedes Mal den Wasserhahn aufzudrehen, um das Messer abzuspülen.

Der zweite Durchgang erfolgt quer zur Wuchsrichtung der Barthaare und entfernt weitere 30 Prozent der Stoppeln. Schäumen Sie dafür Ihr Gesicht erneut gründlich ein. Sie beginnen wieder vor dem Ohr, ziehen das (sehr gut durchblutete!) Ohrläppchen dabei nach hinten, um es zu schützen, und bewegen das um 90 Grad gewendete Rasiermesser nach vorn. Die Klinge steht dabei senkrecht, quasi parallel zur Nase. Fassen Sie mit der freien Hand nach, um die Haut gestrafft zu halten, auch das Aufblasen der zu rasierenden Wange ist hilfreich. Anatomisch bedingt ist die Führung des Messers quer zum Strich unter dem Kinn und am Hals nur bedingt möglich.

Im dritten und letzten Durchgang rasieren Sie gegen den Strich, das bedeutet in der Regel spiegelbildlich zum ersten Durchgang, also von unten nach oben. Schäumen Sie Ihr Gesicht wieder gründlich ein und beginnen mit seitwärts geneigtem Kopf an der seitlichen unteren Halspartie. Ziehen Sie das Rasiermesser mit sanftem Druck nach oben. Ich weiß, dass ich mich mit dem "sanft" wiederhole, aber man kann es gar nicht oft genug betonen: Das Rasiermesser ist derart scharf, dass es keinerlei Kraftaufwand bedarf. Die Stoppeln haben dem Klingenstahl nichts entgegenzusetzen. Unterziehen Sie alle bereits zweimal rasierten Flächen diesem dritten Durchgang, bei dem die restlichen 20 Prozent der Stoppeln entfernt werden.

Geschafft! In den nächsten beiden Teilen unserer Blog-Serie widmen wir uns dem Ausrasieren der Bartkonturen und der Nachbereitung, dem sogenannten After Shave. In diesem Sinne: Auf bald!

Bildquelle: Mann Rasur mit dem Messer - Urheber: tunedin - Fotolia.com

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