Das psychologische Alpha(bet) des Mannes – G wie Geheimnis


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Das psychologische Alpha(bet) des Mannes – G wie Geheimnis

Top secret

„Drei können ein Geheimnis nur für sich behalten, wenn zwei davon tot sind.“

Der Mann, dem wir dieses kluge Zitat verdanken, muss gewusst haben, wovon er spricht. Als einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten und Staatsmann war Benjamin Franklin mit der Wichtigkeit von Geheimnissen vertraut. Den amerikanischen Präsidenten der Neuzeit geht es da nicht anders. Im vierten Jahr seiner ersten Amtszeit hütete Barack Obama genau 73.477 Geheimnisse. Zumindest ist das die Zahl der ihm vorgelegten Papiere, die mit dem Stempel „Top secret“ versehen waren. Das klingt viel, ist aber im Vergleich zur Menge der 1991 unter George Bush Senior angehäuften Geheimnisse noch erfreulich wenig. Die damalige Regierung brachte es auf stolze 511.868 Geheimdokumente. Natürlich alles im Interesse der öffentlichen Sicherheit. Soviel zur Transparenz der Politik.

Risiko Öffentlichkeit

Der Märchenschatz der Gebrüder Grimm enthält ein gutes Beispiel für die Risiken, die ein Geheimnis birgt. Sofern es denn gelüftet wird. Rumpelstilzchen hat sein Leben an ein einziges Geheimnis geknüpft: „Ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß!“ singt er voller Übermut. Wie dumm nur, dass er (um im modernen Jargon zu sprechen) abgehört wurde. Hätte er bei seinem Tanz ums Feuer doch besser den Mund gehalten. Wer weiß, wie das Märchen dann ausgegangen wäre? Jeder kennt diese Geschichte, genau wie jeder Geheimnisse kennt und selbst welche hat. Wahrscheinlich wenige, an denen wie bei Rumpelstilzchen das eigene Leben hängt, aber viele kleine, private Geheimnisse, die eigene Welt betreffend.

Geheimnis versus Neugier

Der Mensch scheint weise genug zu sein, gewisse Dinge für sich zu behalten. Und clever genug, um zu wissen, dass Geheimnisse immer von einer möglichen Enthüllung bedroht sind. Die halboffene Zimmertür, die verräterische SMS im ungesicherten Handy oder eine unverschlossene Schublade. Irgendein neugieriger Mensch wird diese Schwachstellen des Geheimnisses garantiert nutzen. Doch warum ist der Mensch so hinter Geheimnissen her und warum brauchen wir sie überhaupt? Mit anderen Worten: Was ist das Geheimnis hinter unseren Geheimnissen?

Geheimnisse als Brutstätte der Kultur?

Der Spannungsbogen zwischen privat und öffentlich, zwischen Nähe und Distanz ist zutiefst menschlich. Und maßgeblich verantwortlich für das Weiterkommen des Einzelnen, der Gesellschaft und letztendlich der ganzen Spezies. Der Soziologe Georg Simmel formulierte es bereits 1906 folgendermaßen: „Das Geheimnis ist eine der größten geistigen Errungenschaften der Menschheit“. Und auch der einsame Grübler Friedrich Nietzsche maß Geheimnissen eine kulturschaffende Bedeutung zu: „Jede Art von Kultur beginnt damit, dass eine Menge von Dingen verschleiert wird. Der Fortschritt des Menschen hängt an diesem Verschleiern“. Wir lernen das früh aus Filmen, Büchern und von anderen Menschen: Geheimnisse geben uns die Möglichkeit selbst zu bestimmen, was für ein Mensch wir für die anderen Menschen sein wollen.

Geheimnisse zur Ich-Findung

Bis zum Alter von etwa vier Jahren gehen wir davon aus, dass andere alles über uns wissen. (In diesen unmündigen Zustand werden wir aktuell von unseren Geheimdiensten zurückversetzt, doch das nur am Rande.) Ab dem Moment in dem wir lernen „Nein“ zu sagen, begreifen wir, dass wir Dinge über uns wissen, die unsere Eltern nicht wissen. In diesem entscheidenden Moment wird das Geheimnis zum wichtigen Baustein unserer Identität und markiert den Beginn der Selbstabgrenzung. Kleine Kinder haben in der Regel auch kleine Geheimnisse: Die besten Verstecke, den heimlichen Süßigkeitenvorrat oder die Taschenlampe unterm Kopfkissen.

In der Jugend drehen sich Geheimnisse mehr um Gefühle, etwa Liebe oder Scham. Der Teenager wird für seine Eltern zum Buch mit sieben Siegeln – und genau so muss es auch sein. Geheimnisse setzen Grenzen und erhöhen die Unabhängigkeit, ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Erwachsenwerden.

Das Geheimnis als Selbstschutz

Wir könnten nicht mehr sein, wer wir sind, wenn alle wüssten, was wir waren.“ Der Soziologe Alois Hahn formulierte mit diesem Satz sehr treffend die Konsequenzen eines aufgeflogenen Geheimnisses. Als Erwachsene nutzen wir Geheimnisse am ehesten zum Selbstschutz. Wenn wir insgeheim etwas getan haben oder etwas wissen, das uns gesellschaftlichen Schaden zufügen würde, wenn es andere wüssten, halten wir es geheim. Wir verbergen etwas aus Furcht nicht mehr gemocht oder respektiert zu werden. Ich bin kein Alkoholiker, bin nicht fremdgegangen, nicht arbeitslos oder habe kein Aids.

Häufig haben diese Geheimnisse mit Scham zu tun. Das gilt im verschärften Maße in Beziehungen, in denen wir uns nicht sicher fühlen. Im schlechtesten Fall verschweigen wir dem Partner unsere sexuellen Vorlieben oder unsere wahren Empfindungen. Und das nur aus Unsicherheit darüber, wie unser Gegenüber reagieren könnte. Dieser, ursprünglich als Selbstschutz gedachte Mechanismus, isoliert uns und macht uns letztendlich einsam. Da trifft das Sprichwort „Aus seinem Herzen eine Mördergrube machen“ leider voll ins Schwarze.

Der Mann: Das geheimnisvolle Wesen?

In Film und Literatur werden attraktive Männer oft als geheimnisvolle Verführer dargestellt. Sie geben den (meist ebenfalls attraktiven) Frauen Rätsel auf und wecken damit deren Neugier und letztendlich Begierde. Können uns diese Männer als Vorbilder dienen? Bedingt. Ein zu offenherziger Mann, Typ „Nice Guy“, wird von Frauen schnell als zweite beste Freundin wahrgenommen. Und mit der wollen sie zwar über alles reden können, aber sonst? Eine gewisse, ich nenne es mal Zurückhaltung, macht einen Mann interessanter. Bei jemandem, der sein Herz immer auf der Zunge trägt, gibt es schnell nichts Interessantes mehr zu entdecken. Und genau diese Neugier des gegenseitigen Erforschens macht den Spannungsbogen zwischen Mann und Frau aus. Allerdings darf hier nicht übertrieben werden. Kommt man wortkarg daher, wie Clint Eastwood in „Ein Fremder ohne Namen“ wird man wahrscheinlich genau das bleiben: Ein Fremder. Wie bei fast allem im Leben gilt auch hier: Das rechte Maß entscheidet. Offen sein und trotzdem einen Rest Geheimnis bewahren - darin liegt die Kunst.

Young man asks for silence | Urheber: hppd - fotolia.com

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