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Komplimente machen will gelernt sein


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Komplimente machen will gelernt sein

Laut dem Womanizer „Sawyer“ aus der legendären TV-Serie „Lost“, gibt es genau drei Dinge, die ein Mann seiner Frau von Zeit zu Zeit sagen sollte, um Beziehungsstress zu vermeiden. Da wären „Es tut mir leid“, „Genau“ und, ganz wichtig: „In dieser Hose sieht dein Hintern einfach fantastisch aus“. Vor allem der dritte Satz ist (laut Sawyer) von elementarer Bedeutung, drückt er doch Bewunderung, Begierde und Besitzerstolz zugleich aus.

Doch lässt sich eine moderne, emanzipierte Frau von einem derart fadenscheinigen und durchschaubaren Kompliment überhaupt noch beeindrucken? Die klare Antwort darauf lautet: vielleicht. Es kommt dabei zum einen auf den richtigen Zeitpunkt und zum anderen auf die Glaubwürdigkeit des Mannes an. Diese wiederum wird von dem tatsächlichen Zustand des besagten Hinterns mitbestimmt. Eine Wrestlerin mit einem Kampfgewicht von zwei Zentnern in knallengen Leggings wird von dem Kompliment weniger überzeugt sein als Jennifer Lopez in einer knackigen Jeans. J. Lo hat ihren Allerwertesten übrigens für schlappe 27 Millionen Dollar versichern lassen. Recht hat sie, man weiß ja nie, ob einem so ein nobles Hinterteil nicht eben mal geklaut wird. Hach, da fällt mir doch direkt Kim Kardashian ein, die neulich…obwohl, lassen wir die Witze über Promi-Butts, so eine Klage kann richtig teuer werden.

Widmen wir uns also dem eigentlichen Thema dieses Beitrags: Dem Kompliment. Wann mag diese Art der schmeichelnden Konversation wohl entstanden sein? Vielleicht hat schon der Neandertaler beim Abendessen zu seiner Frau gesagt: „Liebling, das Mammutsteak ist dir heute aber besonders gut gelungen. Schön blutig, genauso wie ich es mag.“ Und ist seine holde Neandertalerin daraufhin dezent errötet, hat sich den Knochen im Haar zurechtgerückt und ihren Bärenfell-Wickelrock übers Knie hochrutschen lassen? Wir wissen es nicht, die Höhlenmalereien geben keine Auskunft zu diesem Thema.

Sicher ist nur, dass jedem Kompliment eine bestimmte Intention zugrunde liegt. Im besten, also untadeligsten Fall, wollen wir unserem Gegenüber tatsächlich nur eine Freude machen. Doch hier ist Vorsicht geboten, da sich zu oft wiederholte Komplimente schnell abnutzen. Meiner Erfahrung nach tappen Amerikaner besonders häufig in diese Falle. Beim zehnten „Ohh, you look soooo beautiful“ fällt es zunehmend schwer, das Gesagte zu glauben und nicht als oberflächliche Gesprächsfloskel abzutun. Im Gegensatz dazu geht einem waschechten Berliner ein Kompliment anscheinend nur schwer über die Lippen. In der Hauptstadt ist der Satz „So Scheiße siehst du heute gar nicht aus“ durchaus als Kompliment gemeint. Etwas gewöhnungsbedürftig, weil hart aber herzlich, aber erfrischend ehrlich. Und so toll sieht man ja meistens auch wirklich nicht aus.

Im Zusammenhang mit Berlin fällt mir übrigens unser deutscher Vorzeigecharmeur Johann Wolfgang von Goethe ein, der spätestens seit seinem Gedichtzyklus der „Sesenheimer Lieder“ auch als Meister des Kompliments bekannt ist. Über Berlin schrieb er:

„Es lebt aber, wie ich an allem merke, in Berlin ein so verwegener Menschenschlag beisammen, dass man mit der Delikatesse nicht weit reicht, sondern dass man Haare auf den Zähnen haben und mitunter etwas grob sein muss, um sich über Wasser zu halten.“

Ich finde, das ist ein großartiges Kompliment an meine Heimatstadt. Und es beweist mir aufs Neue, dass ich genau am richtigen Ort lebe.

Der beschriebenen Art von beiläufigen Komplimenten liegt keine Berechnung zugrunde, sie werden frei von der Leber weg geäußert und dienen als soziales Schmierfett, ähnlich wie Tratsch. Anders verhält es sich mit Komplimenten, mit denen wir etwas bewirken wollen. Das kann funktionieren, muss aber nicht. Bei der Angestellten meiner Hausbank hat der Satz „Das beige Kostüm passt aber toll zu ihren Augen“ nicht zu der erwünschten Erhöhung meines Dispokredits geführt. Im Gegenteil: Die etwas pummelige Dame hat mich so giftig angestarrt als würde sie mich gleich wegen sexueller Belästigung anzeigen. Zum Glück habe ich keine Bemerkung über ihre Beine gemacht, die hervorragend mit den spätgotischen Säulen im altehrwürdigen Bankgebäude harmonierten. Wir merken uns: Komplimente mit Hintergedanken können mächtig in die Hose gehen.

Dieser Text neigt sich langsam dem Ende zu und ich möchte jedem von euch, der bis hierher durchgehalten hat, ein Kompliment machen: Ihr seid wirklich tapfere Leser und habt ein großartiges Durchhaltevermögen bewiesen. Und allen Enttäuschten unter euch, die an dieser Stelle auf eine Liste mit den zehn tollsten Komplimenten gewartet haben, kann ich nur sagen: Macht eure Komplimente aus dem Herzen heraus, dann kann überhaupt nichts schiefgehen.

Copyrigt: © Marek - Fotolia com

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