Von Ötzi bis in die Gegenwart – Leder als Werkstoff


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Von Ötzi bis in die Gegenwart – Leder als Werkstoff

Die Theorie

Was ist Leder? Haken wir erst einmal die trockene Theorie ab, bevor wir uns den interessanteren Dingen zuwenden. Eine allgemein anerkannte Definition von Leder lautet nach G. Moog vom Lederinstitut Gerberschule Reutlingen: Leder ist ein Flächenwerkstoff aus tierischer Haut, die durch chemische Behandlung und mechanischer Bearbeitung, unter Erhalt der natürlichen Faserstruktur, gezielt neue Eigenschaften erhält:

  • Fäulnisbeständigkeit
  • bleibende Weichheit
  • Temperaturbeständigkeit

Okay, diese Definition müssen sich Auszubildende des Gerberhandwerks für die Prüfung merken. Wir nehmen sie zur Kenntnis und behalten davon im Gedächtnis, dass Leder nur Leder heißen darf, wenn es vom Tier stammt. Und dass die positiven Eigenschaften des Leders ihren Ursprung in mechanischer und chemischer Behandlung der Tierhaut haben.

Die Ursprünge von Leder

Zu Beginn der Menschheitsgeschichte waren Tierhäute ein Abfallprodukt. Sozusagen die Verpackung des begehrten Fleisches. Doch recht schnell erkannten unsere urzeitlichen Vorfahren, dass die Häute auch einen eigenen Nutzen besitzen. Archäologen gehen davon aus, dass bereits vor etwa 300.000 Jahren erstmals Häute zu einer Art „Urleder“ weiterverarbeitet wurden. Das war noch vor der Entdeckung des Feuers. Höhlenmalereien aus dieser Menschheits-Epoche belegen, dass aus den Tierhäuten primitive Kleidungsstücke angefertigt wurden. Da zu dieser Zeit noch keine Methode der Gerbung, also der Haltbarmachung der Tierhaut, bekannt war, konnte die vom Beutetier abgezogene Haut nur begrenzte Zeit verwendet werden. Sobald der Verwesungsprozess fortschritt, wurde die Tierhaut unbrauchbar. Man möchte sich nicht den Verwesungsgeruch in einem steinzeitlichen Kleiderschrank vorstellen.

Abfallprodukt Tierhaut?

Auch heutzutage sind Tierhäute in erster Linie ein Abfallprodukt, das beim Schlachten von Nutztieren zurückbleibt. Allein die Tatsache, dass dieses Abfallprodukt nutzbar gemacht werden kann, bewahrt die Menschheit vor einem gigantischen Entsorgungsproblem. Müssten die abgezogenen Tierhäute tatsächlich wie Hausmüll entsorgt werden, würden sie ein größeres Müllproblem als beispielsweise Kunststoff oder Plastik darstellen.Professionelle Gerbereien sind somit in zweierlei Hinsicht überaus nützlich: Sie stellen der Industrie den Werkstoff Leder zur Verfügung und lösen gleichzeitig das Entsorgungsproblem von Tierhäuten.

Das geht auf keine Kuhhaut

Dieses allgemein bekannte Sprichwort geht auf die historische Nutzung von Tierhäuten als Vorläufer des Papiers zurück. Bereits vor mehreren Jahrtausenden entdeckten die Menschen im Orient, dass sich gereinigte, getrocknete und aufgespannte Tierhäute hervorragend zum Beschreiben eignen. Schon vor der Erfindung des Papiers wurden wichtige Dokumente auf diesem sogenannten Pergament angelegt. Auch heutzutage werden wichtige Schriftstücke, bei denen eine nahezu unbegrenzte Haltbarkeit von Bedeutung ist, noch auf Pergament angefertigt. Dazu zählen beispielsweise Diplome, Gedächtnisschriften oder Urkunden für Grundsteine. Der Ausspruch Das geht auf keine Kuhhaut steht sinnbildlich für eine Geschichte von so großem Umfang, dass ihre Niederschrift mehr Pergament erfordern würde als aus einer kompletten Kuhhaut angefertigt werden kann.

Leder ist allgegenwärtig

Veganer lehnen Leder als Ausgangsmaterial zur Herstellung von Gegenständen des Alltagsbedarfs ab. Klingt erst einmal unkompliziert, gestaltet sich aber bei genauerer Betrachtung als äußerst schwierig. Spontan fallen einem Schuhe, Gürtel und Ledertaschen ein. Allerdings ist das nur die Spitze des Eisbergs. Versuchen wir einmal eine Liste der Dinge zu erstellen, die ganz oder teilweise aus Leder bestehen.

Also, da wären: Geldbörse, Necessaire und Portefeuille, Reisekoffer, Aktenkoffer, Lederbekleidung jeglicher Art wie beispielsweise Trachtenbekleidung, Handschuhe für Sport und Mode, Schutzkleidung für Motorradfahrer, Auto- und Möbelpolsterleder, Uhrenarmbänder, Orthopädie-Artikel, Dichtungen, Jagd-, Hunde- und Reitsportartikel, Fahrradsattel, Berufstaschen und so weiter. Diese mit Sicherheit unvollständige Liste macht klar: Es ist schwierig, ein Leben ohne Kontakt mit Leder zu führen.

Von der Tierhaut zum Leder

Der Schlüsselbegriff in der Weiterverwertung von Tierhäuten, also der Lederherstellung, ist das sogenannte Gerben. Dieser Prozess ist derart umfangreich, dass wir ihm einen eigenen Beitrag widmen. Nur so viel an dieser Stelle: Die Technik des Gerbens ist nach archäologischen Funden in Ägypten bereits seit etwa 7.000 Jahren bekannt. Davon profitierte auch der „Mann vom Tisenjoch“, besser bekannt als Ötzi, die Gletschermumie aus der Kupfersteinzeit. Von Wissenschaftlern wird Ötzis Alter auf 5.250 Jahre datiert. Große Teile seiner erstaunlich gut erhaltenen Bekleidung bestehen aus gegerbtem Leder. Wie die Menschen in der Kupfersteinzeit dieses Leder herstellten, und wie es heutzutage in modernen Gerbereien aussieht, wird Thema unseres nächsten Beitrags sein. In diesem Sinne: Auf bald!

Lavorare il cuoio | Urheber: chiarafornasari, fotolia>

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