Wie ist ein Rasiermesser aufgebaut?

Das moderne Rasiermesser wird vom Hersteller perfekt ausbalanciert und liegt optimal in der Hand. Beide Schalenteile des Griffs sind in verschiedensten Materialien erhältlich, werden in der maschinellen Fertigung jedoch meist aus pflegeleichtem Kunststoff produziert. Klassische Ausführungen bestanden früher auch aus Elfenbein sowie edlen und exotischen Hölzern. Direkt an der Griffschale ist die sogenannte Angel platziert.

Der sogenannte Erl geht danach unmittelbar in das eigentliche Messer über. Nach einigen Jahrzehnten des Dornröschenschlafes erfreut sich die Männerwelt wieder diesem ausgiebigen morgendlichen Ritual. Inzwischen gehört der gekonnte Umgang mit dem Rasiermesser zur männlichen Facette des guten Tons und das Interesse an der zelebrierenden Nassrasur steigt stetig. 

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Video - Welche Rasiermesserklinge ist die richtige für mich?Schau dir das passende Video an: In der Lektion „Welche Rasiermesserklinge ist die richtige für mich?“ erklären wir dir alles, was es über eine Rasiermesserklinge zu lernen gibt.

Die Rasiermesserklinge

Der Schliff einer Klinge zählt zu den wichtigsten Qualitätsmerkmalen eines Rasiermessers. Über welche Güte sich der Anwender freuen darf, hängt entscheidend von der geschliffenen Form der Klinge ab. Sie entscheidet über die nötige Flexibilität und die Schärfe der Schneide. Um gleichmäßige Spitzenqualität garantieren zu können, wird der Stahlrohling vom Meisterschleifer zu einer First-Class-Rasiermesser-Klinge geformt.

Die gängigsten Klingenschliffe bei qualitativ hochwertigen Messern sind das Beil und der Hohlschliff. Allerdings steht der beliebte Hohlschliff eindeutig an erster Stelle. Während beim derben Schliff des Beils eine keilförmige Kontur entsteht, sind die sogenannten „Wedges“ heutzutage zwar bekannt, werden aber eher selten verwendet. Der extrem scharfe Schliff ist bei diesem anspruchsvollen Messer ist traditionell hervorragend gearbeitet, jedoch ist das Rasiermesser an sich relativ unflexibel und starr. Nur geübte Männer können mit diesem Stück gut umgehen, zumal es sich ziemlich schwer an Unebenheiten der Haut anpassen kann.

Der Hohlschliff

Beim Hohlschliff wird die Klinge vom Rücken zur Schneide hin, in einer vordefinierten Wölbung ausgedünnt. Es entsteht eine konkave Aushöhlung auf beiden Seiten, was zu einer sehr dünnen Schneide führt, die gleichzeitig extrem scharf wird. Etliche Schleifdurchgänge erzeugen die gewünschte Hohlform. Am häufigsten findet man die ¼, ½ und 1/1 Form, kleine Manufakturen bieten jedoch auch eigene Spezialschliffe.

Ein Rasiermesser mit ¼ hohler Klinge ist relativ unflexibel und kommt dem Schliff des Beils sehr nahe. Anfänger sind deshalb mit den wesentlich flexibleren halbhohlen und vollhohlen Rasiermessern bestens versorgt und ihre Verletzungsgefahr weitgehend eingedämmt. Eine weitere Steigerung in die singenden Klingen. Ihr extrahohler Schliff macht die extrem scharfen und ausgesprochen dünnen Klingen zu einem ungewollten Komponisten während der Rasur. Alleine das Abrasieren der Barthaare verursacht Schwingungen, deren Töne eine gewisse Geräuschkulisse entwickeln.

Die Klingenhöhe

Die Rasiermesserklinge erlangt ihre einzigartige Qualität nicht nur durch die fein abgestimmte Kombination aus Höhlung und Schliff, sondern auch durch die exzellente Wahl des Materials. Rostfreie und nicht rostfreie Klingen, welche aus Damast und andere aus Edelstahl überzeugen nicht selten mit einer extrem langen Lebensdauer. Entsprechende Goldätzungen des Herstellers machen aus der Klinge ein unverwechselbares Einzelstück und drücken die Qualität des Produzenten aus. Je nach Haarwuchs werden traditionell verschiedene Breiten von 4/8, 5/8 6/8 oder 7/8" Klinge usw. angeboten.

Betrachtet man das Rasiermesser von oben erkennt man die Aufteilung der Klinge in Schneide und Rücken. Am Ende der Klinge läuft der sogenannte Kopf aus, welcher in verschiedenen Formen geschliffen wird.

Der Rundkopf

Der RundkopfBei ihm sind die Enden abgerundet, was vor allem für Anfänger, die mit der Nassrasur beginnen möchten, eine sehr empfohlene Kopfform darstellt. Die Verletzungsgefahr ist hier gleich Null.

Der Gradkopf

Der GradkopfEr läuft an beiden Enden der Klinge rechtwinkelig aus. Ist die Klinge mit diesem Kopf ausgestattet, gelingt eine präzise Konturführung. Ihre spitzen Enden allerdings rufen zur Vorsicht auf, denn bei unsachgemäßer Handhabung können diese zu Verletzungen führen.

Der Spanische Kopf

Der Spanische KopfIm Gegensatz zum Rundkopf ist dieser nicht nach außen abgerundet, sondern hat einen leichten Radius nach innen. Optimal für die Konturführung.

Der Französiche Kopf

Der Französiche KopfDie Konturführung ist ähnlich genau wie beim Gradkopf, allerdings läuft hier der Kopf in einem Viertelkreis aus und spitzt sich zum Klingenende hin zu.

Der Griff

Sein gewähltes Material erfüllt dekorative Zwecke und sollte vor allem gut in der Hand liegen. Vor mehr als 80 Jahren verwendete man noch Schildpatt, aktuell werden edle bis exotische Hölzer, Horn, Knochen, Metall, Mammutstoßzahn und Kunststoff verwendet. Eher glatt ist die Haptik des Metalls, wobei die Griffe zu früheren Zeiten gerne aufwendig verziert und mit Intarsien gearbeitet wurden und fast schon kleine Kunstwerke darstellten. Sehr pflegeleicht ist die heute viel verbreitete Verarbeitung mit Rasiermesser mit Kunststoffgriff. Jene aus Holz sollten besonders sorgfältig gepflegt werden, damit sie sich nicht unnötig verziehen bzw. austrocknen und brüchig werden.

Der Rücken

Rasiermesser verkörpern die wahre Kunst der Rasur. Der Rücken hilft dem Anwender das Messer optimal zu handhaben. Der Rücken des Rasiermessers nimmt dabei eine wichtige Rolle ein. Denn sowohl beim Öffnen des Messers, als auch beim Abziehen hilft die Tatsache, dass dieser stumpf und unproblematisch anzufassen ist. Um das Messer ordnungsgemäß pflegen zu können, wird es regelmäßig auf einem Riemen aus Leder gewetzt. Der Rücken liegt bei diesem Vorgang im Flachen Winkel zur Klinge und zum Riemen.

Der Erl

In rund 15 unterschiedlichen Arbeitsstufen werden Erl und Rücken geschliffen, bis sie den gewünschten Feinschliff erhalten können. Der Erl stellt dabei das direkte Verbindungsstück zwischen Angel und Rücken dar, ist jedoch häufig mit dem Namen des Herstellers versehen. Sind Produzent und Klingenhersteller nicht identisch, so findet sich in dieser Stelle meist ein unmittelbarer Hinweis darauf.

Die Angel

Sie ist das exponierteste Teil des gesamten Rasiermessers. Klappt man das Messer auf, ist die Angel die unmittelbare Verlängerung des Erls und direkt verbunden mit dem Steg. Die Fingerhohlung dient dem perfekten Griff und der einfachen Handhabung des Rasiermessers

Die Schneide

Sie ist das Herzstück eines jeden Rasiermessers. Ihre Qualität ist entscheidend dafür, ob ein Messer gerne verwendet wird. Die Klinge besteht meist aus rostfreiem Kohlenstoffstahl, Damast und Edelstahl. Eine Faustregel besagt: je hohler der Schliff, desto besser die Klinge. Diese Theorie hängt jedoch sehr stark von der Stärke des Bartwuchses ab.