Welt der Tabakpfeifen

Die Welt der Tabakpfeifen

"Bevor man eine Frage beantwortet, sollte man immer erst seine Pfeife anzünden." [Nobelpreisträger Albert Einstein (1879 – 1955)]

Tabakpfeifen – ein Stück Kulturgeschichte

Dichter aus allen Teilen dieser Erde schrieben Loblieder über sie. Politiker fochten gegen sie an – oder rauchten sie selbst. Sie hat gespalten und vereint wie kaum ein anderes Genussmittel es vermochte: Die Tabakpfeife. Sogar ein eigenes Museum ist der Geschichte der Tabakpfeife gewidmet – in der Rhöner Marktgemeinde Oberelsbach wurde 1996 das erste Deutsche Tabakpfeifenmuseum eröffnet.

Grund genug also, das Phänomen Tabakpfeife einmal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Im Folgenden werden die wichtigsten Pfeifenarten und ihre jeweiligen Besonderheiten exemplarisch vorgestellt. Worin unterscheiden sie sich, was haben sie gemeinsam und vor allem: welche Pfeife ist für welchen Pfeifenraucher geeignet? Doch zuvor eine kurze Begriffsklärung.

Ist Tabakpfeife gleich Tabakspfeife?

Der kleine aber feine Unterschied besteht tatsächlich nur aus dem Konsonanten "s". Beide Schreibweisen sind laut Duden möglich. Allerdings ist zu beobachten, dass passionierte Pfeifenraucher, die sich in ihren Online-Foren austauschen, den Begriff "Tabakpfeifen" favorisieren. Die Schreibweise "Tabakspfeifen" (also mit "s") ist dort kaum vertreten. Daher wird auch in diesem Text die Variante "Tabakpfeifen" verwendet.

Der Aufbau einer Tabakpfeife

Seitdem das Pfeifenrauchen im Europa des 16. Jahrhunderts Verbreitung fand, hat sich die ursprüngliche Form von Tabakpfeifen immer weiter verändert. Die heutige Gestalt einer Pfeife ist im Vergleich zu historischen Pfeifen wesentlich kürzer und kompakter. Im grundlegenden Aufbau sind alle (Holz)-Tabakpfeifen sehr ähnlich: Sie bestehen aus dem Pfeifenkopf mit einer Bohrung für die Tabak-Brennkammer und einem angearbeiteten Holm.

In die Bohrung des Holms wird mittels eines Zapfens das Mundstück gesteckt. An dieser Verbindungsstelle besitzen viele Pfeifen eine Kammer zur Aufnahme eines austauschbaren Filters. Handelsübliche Filter haben einen Durchmesser von neun Millimetern und sind mit spezieller Aktivkohle gefüllt. Die hiervon abweichenden Bauweisen anderer Pfeifensorten werden gesondert erläutert.

Verschiedene Tabakpfeifen

Holzpfeifen

Tabakpfeife aus Holz

Die meisten der heutzutage hergestellten Pfeifen sind aus Holz. Dieser Naturwerkstoff lässt sich nicht nur gut drechseln, fräsen und schleifen, sondern überzeugt auch durch die unverwechselbare Optik der Holzmaserung. Natürlich sind nicht alle Holzarten gleichermaßen gut zur Herstellung von Pfeifen geeignet. Im Lauf der Zeit haben sich schwere Harthölzer als Material der Wahl etabliert. Hierzu zählen vor allem exotische Sorten wie Mahagoni-, Sandel-oder Ebenholz. Eine herausragende Rolle spielt seit Beginn des 19. Jahrhunderts Bruyereholz, das aus der Wurzelknolle der Baumheide (Erica arborea) gewonnen wird. Heimat der Baumheide sind die zerklüfteten Felsregionen des Mittelmeerraums. Lange Zeit galt Bruyereholz von der Insel Korsika als das hochwertigste Ausgangsmaterial für handgefertigte Tabakpfeifen. Alle Versuche die Baumheide in anderen Regionen zu kultivieren schlugen fehl. Da die Wurzelknolle nicht nachwächst, muss für ihre Gewinnung der ganze vier bis acht Meter hohe Baum geopfert werden. Bruyereholz ist extrem hart, hitzeresistent und besitzt eine typische Maserung – ideale Voraussetzungen für die Herstellung handgearbeiteter Tabakpfeifen.

Neben den verschiedenen Hölzern des Pfeifenkopfs- und Holms kommen noch diverse Materialien bei der Herstellung des Mundstücks zum Einsatz. Für Mundstücke mit einem angenehmen "Biss" wird in der Regel Acryl verwendet. Für einen noch weicheren Biss findet auch Naturkautschuk Verwendung. Hier ist allerdings der Verschleiß sehr hoch, da das Mundstück relativ schnell "durchgebissen" ist. Das früher oft benutzte Horn und auch Bernstein findet man mittlerweile nur noch sehr selten.

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Meerschaumpfeifen

Tabakpfeife aus Meerschaum

Die fachlich korrekte, aber weitaus weniger blumige Bezeichnung des Meerschaums lautet Sepiolith. Hierbei handelt es sich um ein relativ seltenes Mineral aus Magnesiumsilikat. Die größten Meerschaum-Vorkommen gibt es in der Türkei, genauer gesagt in der Nähe der nordanatolischen Stadt Eskişehir. Als Ausgangsmaterial für handgearbeitete Tabakpfeifen trat Meerschaum im 18. Jahrhundert erstmals in Erscheinung. Ungerauchte Meerschaumpfeifen sind von strahlendem Weiß. Erst im Lauf der Zeit erhalten sie durch den Gebrauch ihre typisch bräunlich-vergilbte Farbe. Zwei Eigenschaften des Materials machen es zur Herstellung handgefertigter Tabakpfeifen besonders geeignet: Meerschaum ist absolut hitzeresistent und geschmacksneutral. Damit erübrigt sich das Prozedere des Einrauchens und ein Durchbrennen der Pfeife ist unmöglich. Allerdings ist Meerschaum (genau wie Ton) sehr bruchempfindlich. Da Pfeifen aus echtem Meerschaum sehr teuer sind, kann das Herunterfallen des schönen Stücks äußerst kostspielig sein.

Eine preiswertere Variante stellen handgearbeitete Tabakpfeifen aus sogenanntem "Wiener Meerschaum" (auch "Massa" genannt) dar. Hierbei handelt es sich quasi um ein Abfallprodukt aus der Meerschaum-Verarbeitung: Reste des Materials werden mithilfe von Gips und einem Bindemittel zu Blöcken gepresst. Die aus diesem Grundstoff angefertigten Pfeifen sind deutlich preiswerter als echte Meerschaumpfeifen.

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Tonpfeifen

Tabakpfeife aus Ton (Tonpfeife)

Das Handwerk des sogenannten "Pfeifenbäckers" ist vom Aussterben bedroht. Lange Zeit war Ton das meistgenutzte Ausgangsmaterial für die Herstellung handgefertigter Tabakpfeifen. Mit Aufkommen der Holz- und Meerschaumpfeifen galten Tonpfeifen plötzlich als behäbig und überholt. Als Nachteile der Tonpfeife sind in erster Linie ihre Zerbrechlichkeit und die starke Erhitzung beim Rauchen anzusehen. Vorteilhaft ist, dass eine Tonpfeife nicht eingeraucht werden muss. Vom ersten Zug an kommt das volle Tabakaroma zur Geltung. Obwohl es sich bei Tonpfeifen zumeist um handgefertigte Tabakpfeifen handelt, sind sie preiswert in der Anschaffung. Diesen Kostenfaktor nutzen Pfeifenraucher indem sie Tonpfeifen zum Ausprobieren neuer Tabaksorten oder als Gästepfeife nutzen. Anders als Holzpfeifen bestehen Tonpfeifen aus einem Stück und können nur ohne Filter geraucht werden.

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Maiskolbenpfeifen

Der amerikanische Marktführer Missouri produziert jährlich zwei Millionen Pfeifen aus Maiskolben. Bereits die nordamerikanischen Ureinwohner bedienten sich dieser Methode. Mittlerweile werden spezielle Mais-Sorten für die Herstellung von Tabakpfeifen gezüchtet, die auch unter dem Spitznamen Missouri-Meerschaum bekannt sind. Ähnlich wie Tonpfeifen sind Maiskolbenpfeifen sehr preisgünstig und werden oft als Gäste- oder Test-Pfeife benutzt.

Porzellanpfeifen

Bereits im 18. Jahrhundert wurden in der Stadt Meißen Tabakpfeifen aus Porzellan hergestellt. Ihre lange, gebogene Form mit den bemalten Pfeifenköpfen haben sie bis heute beibehalten. Allerdings dienen Porzellanpfeifen heutzutage fast ausschließlich zu Dekorationszwecken. Sie werden beim Rauchen unerträglich heiß und das harte Porzellan kann kein Kondensat absorbieren wie Holz oder andere Naturmaterialien.