Tabakpfeife aus Meerschaum

Tabakpfeifen aus Meerschaum

„Nach diesem Anruf musste er etwas Schönes sehen. Und etwas Warmes in seinen Händen spüren. Er füllte seine Meerschaumpfeife mit Balkan Sobranie, zündete ein Streichholz an und sog. Verdammt, dachte er, dieser warme, erdige Geschmack von Latakiatabak, dieser honigartige, pikante Duft – es gab nichts Besseres auf der Welt. Schwer zu glauben, dass er so viele Jahre darauf verzichtet hatte. Er versank in einen Tagtraum…“ [Aus: Die Schopenhauer-Kur von Irvin D. Yalom]

Wir wissen nicht, wovon Julius Hertzfeld, Protagonist in Yaloms Roman, träumt. Eines aber ist klar: Es ist der Genuss seiner geliebten Meerschaumpfeife, der ihn in diesen leichten, scheinbar schwerelosen Zustand des Tagtraums versetzt. Jenes Gefühl der Mußestunde und des Seelenbalsams wird den meisten passionierten Pfeifenrauchern vertraut sein. Entschleunigte Zeit in ihrer Reinform.

Wie könnte dieses bedächtige Ritual stilvoller zelebriert werden als mit einer echten „Weißen Königin“? Diese Bezeichnung für Tabakpfeifen aus Meerschaum zeugt von der Hochachtung erfahrener Pfeifenraucher aus aller Welt angesichts dieser edlen Stücke. Zu Recht, wie wir meinen. Werfen wir einen genaueren Blick auf dieses außergewöhnliche Material…

Der Ursprung

Die Provinz Eskişehir im türkischen Zentralanatolien gilt als die Wiege der heutigen Meerschaumpfeifen. Hier finden sich die größten Vorkommen des seltenen weißen Materials weltweit. Die traditionelle Herstellung von handgeschnitzten Tabakpfeifen ist daher in dieser Region tief verwurzelt. Was genau ist Meerschaum eigentlich? In der Systematik der Minerale zählt der wissenschaftlich als Sepiolith bezeichnete Meerschaum zur Gruppe der Schichtsilikate.

Er bildet sich unterirdisch im Rahmen hydrothermaler Prozesse unter Einwirkung von hohem Druck und großer Hitze. Sepiolith ist sehr leicht und aufgrund vieler kleiner Lufteinschlüsse (ähnlich wie Bimsstein) schwimmfähig. Aufgrund des ausschließlich unterirdischen Vorkommens kann er nur im Bergbau gewonnen werden.

Frisch abgebauter Sepiolith kommt zumeist in knollenartiger Struktur vor und wird daher auch als Meerschaumknolle bezeichnet.

Er ist vor der Trocknung von wachsweicher Konsistenz und fühlt sich fettig an. Bei Kontakt mit Wasser beginnt Sepiolith zu schäumen; bereits die Griechen kannten das Mineral und nutzten es zu Reinigungszwecken.

Zu seinem geläufigeren Namen Meerschaum gelangte der Sepiolith aller Wahrscheinlichkeit nach durch die Eindeutschung der ursprünglichen levantinischen Handelsbezeichnung mertscavon.

Die Verwendung

Der Löwenanteil des abgebauten Meerschaums kam früher als Rohmaterial der türkischen Pfeifenschnitzer zur Verwendung. Als im 17. Jahrhundert die Sitte des Tabakrauchens in der Türkei bekannt wurde, stellte sich schnell heraus, dass Meerschaum die optimalen Eigenschaften für die Herstellung der von da an begehrten Tabakpfeifen aufweist. Das poröse Material ist unbrennbar, geschmacksneutral und gut zu bearbeiten. In der Gegend um Eskişehir entstand ein florierendes Geschäft mit dem „Weißen Gold“ und Hunderte von Pfeifenschnitzer verrichteten in kleinen Werkstätten ihre kunstvolle Arbeit.

Rasch wuchs der Meerschaum-Boom über die türkischen Landesgrenzen hinaus; insbesondere das österreichische Wien entwickelte sich im 18. Jahrhundert zur Metropole der Meerschaumpfeifen-Herstellung. Pfeifenraucher in ganz Europa schworen auf die leichten Modelle mit den hervorragenden Raucheigenschaften.

Erste Konkurrenz und schwindende Nachfrage

Bis die Wurzelknolle der Baumheide erica aborea um 1880 zur Herstellung von Tabakpfeifen aus Bruyereholz entdeckt wurde, galten Meerschaumpfeifen als das Nonplusultra unter Pfeifenrauchern. Allerdings waren Meerschaumpfeifen im Vergleich zu den damals weit verbreiteten Tonpfeifen äußerst kostspielig; der Tabakgenuss mit einer „Weißen Göttin“ war also zumeist den wohlhabenderen Kreisen vorbehalten. Bruyereholz entwickelte sich rasch zu einem ernstzunehmenden Konkurrenzprodukt des teuren Meerschaums. Es ist leichter verfügbar, preiswerter und in punkto Raucheigenschaften stehen Pfeifen aus Bruyereholz ihren Meerschaumkollegen in nichts nach.

Zu einem endgültigen Zusammenbruch des Marktes für Meerschaumpfeifen kam es im Jahr 1970: Die türkische Regierung reagierte auf die schwächelnde Konjunktur des Landes mit einem Exportstopp für Roh-Meerschaum. Fortan durften Meerschaumpfeifen die Türkei nur noch als sogenannte Halbfertigerzeugnisse verlassen. Die von türkischen Pfeifenschnitzern handgefertigten Pfeifenköpfe wurden im Ausland mit einem Mundstück versehen und verkauft. Die ohnehin schwindende Nachfrage in Bezug auf die vormals so beliebten Pfeifen sank in der Folge weiter gegen Null. Allenfalls Liebhaber oder Türkeireisende hielten am Mythos der „Weißen Göttin“ fest.

Die Situation heute

Im türkischen Eskişehir ist von den ehemals zahlreichen Meerschaumpfeifen-Künstlern nur noch eine Handvoll geblieben. In den Schaufenstern der Souvernirshops findet sich Meerschaum mittlerweile vorwiegend in Form von Schmuckstücken und kleinen Statuetten. Nur im örtlichen Meerschaum-Museum sind noch alte Pfeifen von immenser Größe und kunstvoller Ornamentik zu bestaunen. Die Meerschaum-Minen in den kleinen Dörfern der Provinz sind größtenteils verwaist und stillgelegt. Der Abbau des einst so begehrten Minerals findet nur noch im bescheidenen Umfang statt. Die Erfolgsgeschichte der Meerschaumpfeife scheint vorbei zu sein. Doch ist das wirklich so? Marcel Wagner, Journalist beim SWR, hat vor einiger Zeit für die Arte-Sendung „Zoom Europa“ einen Beitrag über die Situation der türkischen Meerschaumpfeifen-Schnitzer produziert.

Bei seiner Recherche im Dorf Beyaz Altin, zu Deutsch „Weißes Gold“, war der Niedergang des Meerschaum-Handels deutlich sichtbar. An dessen Blütezeit erinnerte nur noch das Bild einer Pfeife auf dem verrosteten Ortsschild. Der Besuch bei einem der letzten Pfeifenschnitzer in Eskişehir offenbarte ihm hingegen eine noch immer lebendige Kultur, deren Erfahrungen und Kenntnisse an die nachfolgende Generation weitergegeben werden. Trotz der schwierigen Bedingungen ihres Gewerbes gehen diese Menschen ihrer Arbeit mit Hingabe und einem künstlerischen Anspruch nach, der seinesgleichen sucht. Jede der von ihnen geschnitzten Pfeifen, die ihren Liebhaber findet, trägt zum Fortbestand dieses alten Kunsthandwerks bei.

Die Herstellung einer Meerschaumpfeife

Selbstverständlich ist hier die Rede von Pfeifen aus echtem Meerschaum. Im Pfeifenhandel werden häufig sehr preiswerte Pfeifen aus Meerschaum-Ersatz angeboten. Dieses auch als Massa oder Wiener Meerschaum bekannte Material besteht aus den gepressten Abfällen, die bei der Verarbeitung von echtem Meerschaum anfallen. Es unterliegt nicht dem geltenden Ausfuhrverbot und wird außerhalb der Türkei maschinell weiterverarbeitet. Doch widmen wir uns dem echten Meerschaum:

Meerschaum besitzt eine Reihe von Qualitäten, die bei der Herstellung hochwertiger Tabakpfeifen unschlagbare Vorteile bieten. Im frischen Zustand kann das Material leicht und äußerst filigran bearbeitet (geschnitzt) werden. Der Pfeifenschnitzer hält den Meerschaum während seiner Arbeit ständig feucht, um die seifenartige Konsistenz zu bewahren. Erst nach der vollständigen Austrocknung entwickelt Meerschaum seine endgültig harte Beschaffenheit.

Meerschaumpfeifen sind oft von bildhauerischer Qualität und Ausdrucksstärke; der Kreativität des Künstlers sind bei der Gestaltung kaum Grenzen seitens des Materials gesetzt. Jede Pfeife ist ein unverwechselbares Unikat und trägt die individuelle Handschrift ihres Erschaffers. Zum Abschluss der Arbeit taucht der Pfeifenschnitzer den Pfeifenkopf in kochendes Wachs. Warum? Dazu später mehr.

Raucheigenschaften und Vorzüge einer Meerschaumpfeife

Die feinen Poren des Meerschaums sind mit bloßem Auge nicht zu erkennen, machen sich aber beim Rauchen der Pfeife überaus nützlich: Sie saugen das überschüssige Kondensat im Pfeifenkopf auf und ermöglichen vollen Rauchgenuss auch ohne Filter. Nach längerem Gebrauch beginnt eine Meerschaumpfeife sich langsam zu verfärben. Das anfangs strahlende Weiß bekommt einen hellbeigen Elfenbeinton, der sich nach und nach bis zu einem kräftigen Gelb-Braun entwickeln kann.

Bei diesem Prozess kommt die im letzten Absatz erwähnte Wachsbehandlung zum Tragen: Die vom Meerschaum aufgenommenen Kondensate werden mithilfe der Wachsbeschichtung in das Material eingebunden und bewirken die ästhetische Verfärbung. So spiegelt jede Meerschaumpfeife nicht nur die Persönlichkeit des Pfeifenschnitzers wieder, sondern trägt auch die individuelle Signatur ihres Rauchers. Im Gegensatz zu ihren hölzernen Kollegen muss eine Pfeife aus Meerschaum nicht eingeraucht werden.

Bereits beim ersten Anrauchen kann der Pfeifenkopf bis obenhin mit Tabak gefüllt werden. Darüber hinaus verhindert die Hitzebeständigkeit des Materials das bei Pfeifenrauchern gefürchtete Durchbrennen der Pfeife. Zu guter Letzt sei erwähnt, dass Meerschaumpfeifen echte Leichtgewichte sind. Sie können bequem freihändig geraucht werden, ohne dabei die Lippen oder Kiefermuskeln übermäßig anzustrengen. Pfeifenraucherherz, was willst Du mehr?

Die Pflege einer Meerschaumpfeife

Einige Dinge sollten bei der Pflege einer Meerschaumpfeife beachtet werden: Die hohe Saugfähigkeit des Materials bewirkt eine vorübergehende Erweichung während des Rauchens. Bevor Sie die Pfeife putzen, sollten Sie ihr ausreichend Zeit zum Auskühlen geben. Ansonsten laufen Sie Gefahr das Innere des Pfeifenkopfs mit dem Metall des Pfeifenbestecks zu beschädigen. Auch beim Ausklopfen der Aschereste sollten sie behutsam zu Werke gehen.

Meerschaumpfeifen sind zwar nicht so empfindlich wie Tonpfeifen, besitzen aber dennoch eine gewisse Sprödig- und damit Zerbrechlichkeit. Ansonsten ist eine Meerschaumpfeife ein unkompliziertes Rauchgerät, das bei richtiger Behandlung Generationen überdauern wird.

Meerschaumpfeifen von A.P. Donovan

Nach einigen Bemühungen ist es A.P. Donovan endlich gelungen, den Kontakt mit einem traditionellen türkischen Pfeifenschnitzer herzustellen. Gemäß unserem Anspruch Ihnen nur die qualitativ hochwertigsten Produkte anzubieten, haben wir ab sofort eine exklusive Auswahl handgeschnitzter Pfeifen in unser Sortiment aufgenommen. Jede der künstlerisch anspruchsvollen Pfeifen ist in reiner Handarbeit mit viel Liebe zum Detail entstanden.

Mit dem Erwerb einer Meerschaumpfeife von A.P. Donovan treten Sie in die Fußstapfen großer Pfeifenraucher der letzten drei Jahrhunderte und beweisen einmal mehr: Stil kann man nicht kaufen; man kann ihn nur mit den richtigen Accessoires unterstreichen.