01/17 - Jack London


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01/17 - Jack London

Ein (Über)Leben in rauen Zeiten

In mehr als 50 Romanen, sowie in zahllosen Kurzgeschichten und Zeitungsartikeln, hat sich der Autor Jack London ein literarisches Denkmal gesetzt. Der Umfang dieses Werkes erstaunt angesichts seines frühen Todes mit nur 40 Jahren umso mehr. Dabei ist es nicht so, dass sich Jack London ausschließlich dem Schreiben gewidmet hat: Die Geschichte seines prallen Lebens könnte unmittelbar einem seiner Abenteuerromane entstammen. Viele der von ihm beschriebenen Charaktere und Szenerien weisen stark autobiografische Züge auf: Ruppige Männer auf stürmischer See, Goldgräber am Yukon und immer wieder die wilde, ungebändigte Natur in ihrer ganzen Schönheit und Unerbittlichkeit.

Ein ebenso zentrales Thema seines Schaffens ist der Mythos männlicher Kraft und Willensstärke. Ins kollektive Gedächtnis eingebrannt hat sich dabei vor allem eine Szene: In der Verfilmung von Londons Roman „Der Seewolf“ zerquetscht Raimund Harmstorf eine rohe Kartoffel mit der bloßen Hand als Demonstration seiner Kraft. Manpower in Reinform, weit vor dem Bodybuilder-Boom und Wrestling-Shows. Welche Erlebnisse haben Jack London geprägt? Wo liegen die Schlüsselmomente seines kurzen Lebens, aus denen er die Inspiration für sein künstlerisches Schaffen erhielt? Werfen wir einen Blick auf sein wildbewegtes Leben.

Kindheit und Jugend

Bei seiner Geburt am 12. Januar 1876 in San Francisco trägt der später als Jack London bekannte Schriftsteller noch den Namen John Griffith Chaney. Sein Vater William Henry Chaney gilt als unsteter Charakter, der sich unter anderem als Wanderprediger, Astrologe und Philosoph mehr schlecht als recht durchs Leben schlägt. Er lebt vor Jacks Geburt in wilder Ehe mit Jacks Mutter, Flora Wellman, einer Klavierlehrerin aus gutbürgerlichen Verhältnissen. Im Nachhinein dementiert Chaney seine Vaterschaft aufgrund angeblicher Zeugungsunfähigkeit. Jack Londons Biografen gehen jedoch nach heutigem Stand der Dinge von einer Schutzbehauptung Chaneys aus.

Bereits vor Jacks Geburt kommt es zu dramatischen Ereignissen in der Familie: Chaney will Jacks Mutter zur Abtreibung zwingen, die diese jedoch kategorisch ablehnt. Daraufhin jagt Chaney sie mit Gewalt aus dem gemeinsamen Haus. Aus Verzweiflung versucht sich die schwangere Flora Wellmann mit einer großen Dosis Opium und einem Kopfschuss das Leben zu nehmen, wird jedoch gerettet. Im September 1876 heiratet sie den Kriegsveteranen und Zimmermann John London, der Jack als seinen Sohn annimmt und ihm damit seinen Nachnamen überträgt. Die Londons leben in ärmlichen Verhältnissen und versuchen auf wechselnden Grundstücken in der San Francisco Bay Area ihr Glück als Farmer. Alle Versuche sich eine gesicherte Existenz aufzubauen scheitern jedoch, und 1886 zieht die Familie nach Oakland. Jacks Stiefvater ist zu diesem Zeitpunkt bereits Invalide und so müssen Mutter und Sohn den Lebensunterhalt bestreiten. Wenn Jack nicht gerade als Zeitungsjunge, Wirtshaushelfer oder in der Konservenfabrik arbeitet, verbringt er den Großteil seiner Zeit im Haus der ehemaligen Sklavin Virginia Prentiss. Mehr noch als seine Mutter wird Virginia als Ziehmutter zur prägenden Persönlichkeit in Jacks Leben.

Mit nur 13 Jahren verlässt Jack die Schule und muss sich ganz dem Geldverdienen widmen. Kinderarbeit ist zu dieser Zeit traurige Normalität und Jack arbeitet bis zu 16 Stunden täglich in der Konservenfabrik. Die seltenen Momente der Freizeit seines jungen Lebens verbringt er mit der Lektüre von Romanen in öffentlichen Bibliotheken. Dort trifft er auf die Bibliothekarin Ina Coolbrith, die später als berühmte Schriftstellerin bekannt werden soll. Sie berät den lese- und wissbegierigen Jungen bei der Bücherauswahl und ermutigt ihn sich im Selbststudium weiterzubilden. In einem Interview aus dem Jahr 1901 bezeichnet London Ina Coolbrith als die wichtigste geistige Bezugsperson seiner Jugend und nennt sie seine „Göttin“.

Der Austernpirat

Als Jack 15 Jahre alt ist, kauft er sich mit geliehenem Geld ein kleines Boot. Er tauft die Schaluppe auf den Namen „Razzle Dazzle“ und macht sich fortan als „Frisco Kid“ einen Namen unter den raubeinigen Austernpiraten der Oakland Bay. Die illegal abgeernteten Austern verkauft er auf dem Markt von Oakland. Nach einem Streit unter den Austernpiraten wird Jacks Boot von einer verfeindeten Gruppe angezündet und brennt vollständig aus. Jack wechselt kurzerhand die Seiten. Er schließt sich als freiwilliges Mitglied der Fischereipolizei der Bay Area an und macht Jagd auf illegale griechische Lachswilderer und chinesische Garnelenfänger.

Ein Hobo zu Wasser und zu Land

Mit 17 verlässt Jack die Fischereipolizei, da sie ihm keine ernsthafte Perspektive bietet. Er heuert als jüngster Vollmatrose auf dem Robbenfänger „Sophie Sutherland“ an. Nach einer harten und entbehrungsreichen Jagdsaison, die ihn bis vor die Küste Japans führt, beschließt Jack sich nach einer „soliden“ Arbeit umzusehen. Schließlich findet er eine Anstellung in einer Jutefabrik und plant sich neben der Arbeit weiterzubilden. Die harte, körperliche Tätigkeit macht seinen Bildungsplänen allerdings einen Strich durch die Rechnung: Er ist schlicht zu erschöpft zum Lesen oder Lernen.

Kurzentschlossen macht er sich als Hobo auf eine Trampreise quer durch die Vereinigten Staaten. Hobos nennen sich die nordamerikanischen Wanderarbeiter, deren Zahl aufgrund der Wirtschaftskrise um die Jahrhundertwende in die Höhe schnellt. Der Begriff setzt sich aus dem englischen hoe (Hacke) und boy (Junge) zusammen. Es sind heimatlose Gelegenheitsarbeiter, die auf Güterzüge aufspringen und der Ernte hinterherreisen, immer auf der Suche nach dem nächsten Job. Diese abenteuerliche Reise endet für ihn in einem Countygefängnis und ist Grundlage seines späteren Romans „Abenteurer des Schienenstranges“.

Weiterbildung, Goldrausch und erste schriftstellerische Gehversuche

Als Jack 1896 nach diversen Irrungen und Wirrungen nach San Francisco zurückkehrt, findet er seine Mutter als verarmte Witwe vor. Er beschließt die Rolle des Ernährers zu übernehmen, macht sein Abitur nach und besteht die als anspruchsvoll geltende Aufnahmeprüfung an der Universität von Berkeley. Neben der Ausbildung beginnt Jack auf einer geliehenen Schreibmaschine seine ersten Geschichten zu verfassen, von denen er jedoch keine einzige verkaufen kann. Dann bereitet der Goldrausch von 1897 seinem Studium nach nur einem Semester ein jähes Ende. Gemeinsam mit seinem Schwager (der Mann seiner Stiefschwester aus John Londons erster Ehe) folgt er dem Ruf des Goldes bis nach Yukon. Doch nach einigen halbherzigen und erfolglosen Versuchen Gold zu finden, verbringt Jack die langen, kalten Nächte lieber am Lagerfeuer und lauscht den Geschichten der alten Goldgräber. Unbewusst sammelt er hier das Material seiner späteren Romane, rohe „Geschichten-Nuggets“, die nur darauf warten von ihm geschmiedet zu werden. Das entbehrungsreiche Leben in der Wildnis bringt Jack schließlich an den Rand der totalen Erschöpfung und es zieht ihn wieder in die Heimat.

Zurück in San Francisco steht er vor dem Nichts und absolviert eine Ausbildung zum Postboten. Hätte er eine Anstellung gefunden, wäre Jack London wahrscheinlich als Briefträger alt geworden, aber zum Glück für die Nachwelt findet er keine Arbeit. In seiner Verzweiflung schreibt Jack die Kurzgeschichte „To the man on trail“ und das Wunder geschieht: Das Magazin „Overland Monthly“ kauft seine Geschichte für 5 Dollar!

Der literarische Durchbruch

Kurz nach Veröffentlichung von „To the man on trail“ findet Jack einen Verlag für einen Kurzgeschichten-Band. Dann geht alles Schlag auf Schlag: In kurzer Folge veröffentlicht Jack mehrere Romane, Reportagen und Artikelserien. Der Ruhm und damit auch der Wohlstand kommen für ihn im wahrsten Sinne des Wortes über Nacht. Von seinen Einnahmen lässt Jack sich eine Yacht nach eigenen Entwürfen bauen und tauft sie auf den Namen „Snark“. Er unternimmt auf der Snark ausgedehnte Seereisen, die ihn über Hawaii und die Südsee bis nach Australien führen. Seine Berühmtheit als Schriftsteller verschafft ihm lukrative Angebote. So arbeitet er mehrere Monate als Undercover-Reporter in den Elendsvierteln von London und als Korrespondent im russisch-japanischen Krieg. 1906 wird er Augenzeuge des großen Erdbebens in San Francisco und berichtet darüber als Sonderkorrespondent für das Wochenmagazin „Collier’s“.

Mehr Farmer als Schriftsteller

Die Jahre zwischen 1899 und 1916 nutzt Jack London, um über 50 Romane und Sachbücher zu schreiben, darunter Klassiker wie „Wolfsblut“, „Der Seewolf“ und „König Alkohol“. Er lebt mit seiner Partnerin Charmian Kittredge in „Offener Ehe“ auf einer gekauften Farm, die sie liebevoll „Beauty Ranch“ nennen. Trotz seines großen Erfolges betrachtet er sich eher als Farmer, der nebenher schreibt, um seine Ranch finanziell über Wasser zu halten. Er schreibt konsequent täglich seine 1.000 Worte zum Broterwerb, und widmet sich danach den für ihn wichtigeren Arbeiten auf der Beauty Ranch.

Der frühe Tod

Am Abend des 22. November 1916 klagt Jack London während des Abendessens über starke Übelkeit und zieht sich auf sein Zimmer zurück. Dort wird er kurze Zeit später tot aufgefunden. Die ärztlich festgestellte Todesursache lautet gastrointestinale Urämie, eine Harnvergiftung. Alle nach seinem Tod entstandenen Gerüchte eines angeblichen Selbstmords haben sich als haltlos herausgestellt. Jack London war erst 40 Jahre alt und noch voller Pläne…

„Wir armen Teufel von Männern sind am glücklichsten, wenn wir lieben und geliebt werden. Bitter und traurig muss das Schicksal eines Mannes sein, der liebt, ohne wieder geliebt zu werden.“

Jack London

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