Rasiermesser Herstellung - ein Rasiermesser entsteht in Handarbeit

"…dann zog er Hose und Weste an, nahm vom Mitteltisch, der zugleich Waschtisch war, sein Stück Seife, tauchte es ins Wasser und seifte sich sein Gesicht ein. Ich war neugierig, wo er sein Rasiermesser haben mochte. Doch siehe da, er holte die Harpune aus der Ecke am Bett, und nachdem er die hölzerne Scheide entfernt hatte, wetzte er die Stahlspitze am Leder seiner Stiefel. Nun trat er vor die Glasscherbe, die den Spiegel ersetzte, und schabte, vielmehr harpunierte sich beide Wangen. Quiqueg, dachte ich, du hast es heraus, wie man mit hochwertigen Stahlwaren umgeht." [Herman Melville in "Moby Dick oder der Wal"]

Nun, wir wissen nicht, welchen Stahl der Schiffsschmied zur Verfügung hatte, um die Harpune Quiquegs anzufertigen. Die offensichtliche Schärfe der Klinge lässt vermuten, dass es sich um einen sogenannten Kohlenstoffstahl handelt. Dank spezieller Härtungsverfahren erreicht dieser Stahl einen Wert von 63 Rockwell (das berühmte Schweizer Taschenmesser erreicht "nur" 55 Rockwell). Extreme Härte als Voraussetzung für extreme Schärfe.

Diesen Zusammenhang machen sich auch die Hersteller der A.P. Donovan Rasiermesser zunutze. Der von ihnen verwendete japanische Stahl hat einen hohen Kohlenstoffanteil und lässt die Anfertigung enorm scharfer Klingen zu. Doch wie wird aus einem Stück Stahl eines der hochwertigen Rasiermesser aus unserem Shop? Um diese Frage zu beantworten, werfen wir einen "scharfen" Blick hinter die Kulissen unserer Rasiermesser-Manufaktur.

Der Klingen-Rohling

Die Herstellung eines Rasiermessers beginnt mit kraftvoller Arbeit an schweren Maschinen. Mithilfe einer Stanze werden von langen Stahlbändern sogenannte Spalten geschnitten. Sie besitzen in etwa die Größe einer Rasiermesserklinge, weisen ansonsten aber noch keinerlei Ähnlichkeit mit dem Endprodukt auf. Nach dem Erhitzen im Ofen werden die rotglühenden Spalten unter den Schlägen eines zentnerschweren Gesenks in die ungefähre Klingenform gebracht. Mit großer Präzision muss nach dem Abkühlen der überschüssige Grat von den Rohlingen entfernt werden. Bereits hier werden bei strengen Qualitätskontrollen Fehlstanzungen aussortiert.

Die Härtung des Stahls

In diesem Arbeitsschritt wird die entscheidende Grundlage für eine maximale Schärfe der Rasiermesser gelegt. Wir erinnern uns: Je härter der Stahl, desto schärfer die Klinge. Der Rohling wird in Graphitstaub getaucht und kommt anschließend für vier Minuten in ein Bad aus flüssigem Blei. Dank des Graphitstaubs kann das auf über 850 °C erhitzte Metall nicht am Rohling anhaften. Beim anschließenden Eintauchen in ein Becken mit kaltem Spezial-Öl erhält der Stahl seine extreme Härte und Widerstandsfähigkeit. Dieser rasche Temperatursturz hat in vielen Fällen ein leichtes Verziehen des Stahls zur Folge. Vor dem Schleifen werden daher alle Rohlinge überprüft und von Hand mit dem Hammer wieder ausgerichtet.

Das Schleifen der Klinge

Ab diesem Moment wechselt der Arbeitsablauf von grob zu fein. Auf die Pflicht der schweißtreibenden Schmiede- und Härtungsprozesse folgt nun die Kür des Schleifens. Von diesem Moment an bestimmt ausschließlich die Erfahrung des Messerschleifers über die Qualität des fertigen Rasiermessers. Zuerst werden an der Schleifscheibe Klingenkopf und -Rücken in Form gebracht. Danach widmet sich der Messerschleifer dem Erl und der Angel. Mithilfe der in schmalem Bogen zulaufenden Angel kann das fertige Rasiermesser später aufgeklappt werden. Darüber hinaus dient sie als Auflage für einen oder mehrere Finger bei der Führung des Rasiermessers. Der Erl stellt das Verbindungsstück zwischen Klinge und Angel dar. Bei den hochwertigen Messern aus dem A.P. Donovan Rasiermesser Shop befinden sich auf dem Erl die Härteangabe des Stahls und der Qualitätsvermerk "Hand Made". Auch er dient später zur Auflage der Finger während der Rasur.

Im sogenannten Watenschliff legt der Messerschleifer die Grundzüge der späteren Schneide an. Als Wate bezeichnet der Fachmann den eigentlich schneidenden Teil der Messerklinge. Die hierbei erreichte Schärfe ist aber noch weit von der sprichwörtlichen Rasiermesser-Schärfe entfernt.

Der nun folgende Fertigungsschritt besiegelt endgültig den Unterschied zwischen einer Rasiermesserklinge und der Klinge eines normalen Messers: Der Hohlschliff. Während normale Messerklingen eine plane Oberfläche haben, ist die Rasiermesserklinge durch eine nach innen gewölbte Form gekennzeichnet. Diese Besonderheit verleiht der Rasiermesserklinge höchstmögliche Elastizität und Geschmeidigkeit – die Grundvoraussetzungen für einen erstklassigen Schnitt bei der Rasur. Während Messerschleifer früher Schleifsteine aus Natursandstein benutzten, drehen sich heutzutage an der Hohlschleif-Maschine zwei kleine Kunstschmirgelsteine aus Magnesit. Je nach gewünschter Stärke der Hohlung kommen hier Schleifsteine mit unterschiedlichem Durchmesser zum Einsatz. Nach dem Hohlschliff muss der zwischen Klinge und eigentlicher Schneide entstandene Wall abgeschliffen werden.

Jetzt wird die Rasiermesserklinge langsam auf Schärfe gebracht. Im sogenannten Dünnmachen wird vom Stahl der Schneide nach und nach Material abgeschliffen und es entsteht ein scharfer Klingengrat. Immer wieder prüft der Messerschleifer die Schärfe mit seinem quer über die Klinge geführten Daumen. Versierte Schleifer erkennen am hierbei entstehenden Klang, ob die gewünschte Schärfe erreicht ist.

Nach dem Dünnmachen werden eventuell noch vorhandene Unebenheiten in der Metallstruktur von Erl und Angel am Pliestbock (Schleif- oder Polierbock) entfernt. Jetzt erhält die Rasiermesserklinge ihr Finish. Zuerst werden Erl und Angel an der Sisalscheibe poliert, dann mithilfe von Polierpaste am Pliestbock auf Hochglanz gebracht. Das abschließende Blau- oder Klarpliesten von Hohlkehle und Schneide erfolgt unter Zugabe von Kalk auf der Lederscheibe.

Damit ist die Rasiermesserklinge fertig zum Reiden. So nennen Rasiermesser-Hersteller den Vorgang, bei dem die Klinge mit dem Griff des Rasiermessers verbunden wird. Das Reiden erfordert ein Höchstmaß an Präzision. Auf keinen Fall darf die Rasiermesserklinge beim Einklappen die Griffschalen berühren. Die Griffschalen unserer Rasiermesser sind den Klingen in ihrer Qualität absolut ebenbürtig. Hier kommen in erster Linie afrikanische Mahagoni- und indische Sandelhölzer zum Einsatz. Ebenso wie die Rasiermesseklingen werden sie in aufwendiger Handarbeit angefertigt und unterstreichen den individuellen Charakter eines jeden A.P. Donovan Rasiermessers.

Im letzten Schritt der Herstellung wird jedes Rasiermesser einer strengen Qualitätskontrolle unterzogen und von Hand auf dem Lederriemen abgezogen.

Einige Impressionen aus der Herstellung

Der Rohstoff der Griffe - das Mahagoniholz
Der Rohstoff der Griffe - das Mahagoniholz
Zuschnitt der Heftschalen
Zuschnitt der Griffschalen
Rasiermesser-Rohlinge mit Edelstahleinlage
Griff-Rohlinge mit Edelstahleinlage
Schleifen der Griffe
Schleifen der Griffe
Gestanzte Edelstahleinlagen
Gestanzte Edelstahleinlagen
Rasiermesser mit Hohlschliff
Schleifen der Hohlkehle
Härten der Rasiermesserklinge
Härten der Rasiermesserklinge
Abgeschreckte Rasierklinge erneut erwärmen
Abgeschreckte Rasierklinge erneut erwärmen
Schärfen der Klinge
Schärfen der Klinge
Rasiermesser abziehen
Abziehen der Klinge am Lederriemen
Reiden von Heft und Rasiermesserklinge
Reiden von Heft und Rasiermesserklinge
Fertiges A.P.Donovan Rasiermesser
Fertiges A.P.Donovan Rasiermesser

Das A.P. Donovan Qualitäts-Versprechen

Die hier geschilderten Arbeitsabläufe erfordern ein hohes Maß an Erfahrung und werden bei allen Rasiermessern des A.P. Donovan Shops von Expertenhand durchgeführt. Die im Elektolysebad auf die Klinge aufgebrachte Goldätzung ist Kennzeichen und Gütesiegel zugleich.

Wir vertrauen unseren Spezialisten, damit Sie A.P. Donovan vertrauen können. Nutzen Sie auch die Fachkenntnisse der A.P. Donovan Messerschleifer im Rahmen unseres Fünf-Jahre-Schärfe-Services – verlässliche Schärfe für Ihre perfekte Rasur mit Stil.